Archiv des Autors: Johannes Timaeus

Workshop zu Mischkulturen: Aus Erfahrung lernen und Neues anstoßen

Am 14. April werden wir in Witzenhausen an dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel einen Workshop zu Mischkulturen durchführen. Mischkulturen bzw. der Gemengeanbau sind eine interessante Option den Einsatz externer Betriebsmittel (Pestizide, Herbizide, Düngemittel) in der Landwirtschaft zu reduzieren. Der Workshop richtet sich vor allem an Landwirtinnen und Landwirte. Ziel des Workshops ist es einen fruchtbaren Austausch zwischen Forschung und
landwirtschaftlicher Praxis anzuregen sowie Möglichkeiten für eine zukünftige
Zusammenarbeit auszuloten. Dabei möchten wir explizit auch auf das wertvolle Wissen in der Praxis zurückgreifen und haben dafür Referenten aus der landwirtschaftlichen Praxis eingeladen. Das Programm und die Einladung zu dem Workshop findet man unter diesem Link.

Anmelden kann sich direkt bei mir per Mail: johannes.timaeus@uni-kassel.de.

Der Workshop findet im Rahmen des von der EU geförderten Projektes ReMIX statt.

Umfrage zu Mischkulturen/Gemengen als innovative Kulturpraxis in der Landwirtschaft

Foto Links: hier sieht man ein Gemenge aus Leindotter und Linse. Fotoquelle: Anbau- und Vermarktungsgemeinschaft Hessisches Hochland.


Mischkulturen bzw. Gemenge haben einiges an Potential mehr Vielfalt auf die Äcker zu bringen und gleichzeitig zu einem produktiven landwirtschaftlichen Betrieb beizutragen. Um den Stand in der Praxis in Sachen Mischkulturen zu beleuchten, haben meine Kollegen im Rahmen des Projektes Remix eine Umfrage zu Mischkulturen ausgearbeitet. Sie richtet sich an Landwirtinnen und Landwirte (im Voll- oder Nebenerwerb). Wir möchten u.a. wissen:

  • Ob und welche Mischkulturen schon in der Praxis Anwendung finden.
  • Was die Vorteile von Mischkulturen aus Praxis-Sicht sind
  • Was möglicherweise die Hürden für Mischkulturen in der Praxis sind und was deren Praxistauglichkeit verbessern würde.

Es geht im Prinzip also darum rauszufinden, wie man mittels Mischkulturen wieder mehr Vielfalt in die Landwirtschaft bekommt und so auch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln zu reduzieren. Ein kleinen aber sehr wichtigen Beitrag dazu kann man durch das Ausfüllen unserer Online-Umfrage leisten. Dafür sollte man sich ein bisschen Zeit nehmen, ca. 15 Minuten. Weiterlesen

Erhalter-Ringe für Tomaten und Bohnen: engagierte GärtnerInnen gesucht

wellness-2758149_1280 Kopie
Ringe sind nicht nur schön. Fotoquelle Pixabay.


Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ist gerade dabei sein Konzept für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt zu überarbeiten. Das bisherige System war ein Patensystem in dem bestimmte besonders wertvolle Sorten einzelnen Paten zur Erhaltung übergeben wurden. Dadurch lastete die Verantwortung für die Erhaltung einer Sorte überwiegend auf einer einzelnen Person. Nun hat der VEN ein neues Erhaltungskonzept eingeführt: Erhalter-Ringe. In Erhalter-Ringen kümmern sich mehrere Gärtnerinnen um jeweils eine Sorte. Falls jemand mal keine gute Samenernte hat oder aus vielfaltigen Gründen ein Jahr den Anbau aussetzen muss, dann gibt es immer noch andere Erhalter, die Saatgut produzieren. Der VEN startet mit Erhalterringen zu Tomaten und Bohnen, da hier der Samenbau kaum von der normalen Nutzung in Garten und Küche abweicht. Bei diesen Kulturen – Bohnen und Tomaten sind einjährig und überwiegend selbstbefruchtend – lässt sich der Samenbau leicht in den gärtnerischen Alltag integrieren (anders als bei Fremdbefruchtern und mehrjährigen Kulturen) und ist auch ohne Kenntisse auf Profi-Level möglich.

Die Ringe sollten sich prinzipiell dezentral organisieren, werden aber vom VEN in ihrer Arbeit durch Fachgruppen unterstützt. Bisher wurden Fachgruppen für Bohnen und Tomaten (bei letztere bin auch ich involviert) eingerichtet. Die Fachgruppen werden den Erhalterringen z.B. Tips für die Saatgutproduktion und die Kulturführung sowie einfache Boniturbögen zur Verfügung stellen. Saatgutreserven werden z.B. von der Fachgruppe Tomaten zentral als Backup gelagert.  Weiterlesen

Reduktion und Infusion von Vielfalt: dialektische Evolution der Kulturpflanzen

Foto Links: Tomaten-Vielfalt. Autor des Fotos ist das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE, Quelle Wikipedia.


Wo man auch hinsieht überall gibt es Lobgesänge auf die Vielfalt und insbesondere die biologische Vielfalt. Biologische Vielfalt sei die Grundlage für natürliche Ökosysteme, für Agrarsysteme, unsere Lebensmittel und damit das menschliche Leben und die gesamte Gesellschaft überhaupt. Ich selbst engagiere mich im VEN für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und arbeite im Rahmen eines Projektes an der Universität Kassel, welches sich der Frage widmet, wie man wieder mehr Kulturpflanzenvielfalt in die Landwirtschaft integrieren kann. Ich bin durchaus überzeugt, dass diese Engagements Sinn machen aber trotzdem, ich komme nicht darum herum diese kritische Frage zu stellen: Ist die biologische Vielfalt – insbesondere bei den Kulturpflanzen – tatsächlich so zentral wie es scheint?

Biologische Vielfalt als gesellschaftliches Phänomen und Brückenkonzept

Die enorme Bedeutung der biologischen Vielfalt in der gesellschaftlichen Debatte sollte hellhörig machen. Ein kritischer Betrachter kann – selbst wenn er wie ich ein Faible für die Kulturpflanzenvielfalt hat – dies nicht einfach als gegeben hinnehmen.

Die kritischen qualitativen Sozialwissenschaften bieten hier sehr hilfreiche Einsichten. Diese haben nämlich Konzepte entwickelt, um solche gesellschaftliche Debatten kritisch zu hinterfragen, bzw. wie der geneigte Sozialwissenschaftler sagen würde, diese zu „dekonstruieren“. Weiterlesen

Die Zukunft des Weizens: Hybrid-Züchtung, Genome Editing oder evolutionäre Züchtung?

Foto links: reife Weizenähren. von H.J. Sydow, Wikimedia Commons, Quelle Wikipedia.


Derzeit habe ich ziemlich viel mit Weizen in meinem Alltag zu tun und zwar nicht nur mit verarbeiteten Weizenprodukten, wie Brot, Gebäck und Bier. Zur Zeit versorge, ernte und vermesse ich zusammen mit Kollegen von der Uni Kassel kleine Weizen-Pflänzchen, die in Hydroponik-Anlagen wachsen. Vor kurzem habe ich einige der Pflänzchen in kleine Töpfe gepflanzt. Da freut sich das Gärtner-Herz.

Gleichzeitig ist die Pflanzenzüchtung zu einem brisanten gesellschaftlichen Thema geworden. Einerseits werden neue technologische Entwicklungen für die Züchtung, wie Genome Editing und naturidentische gentechnisch veränderte Organismen (nGVO) diskutiert. Demgegenüber stehen die Bemühungen vieler ökologischer Züchter wieder zur Populations-Züchtung überzugehen. Neben den Züchtungsmethoden wird aber auch über die Privatisierung der Kulturpflanzenvielfalt gestritten, insbesondere vor dem Hintergrund der Übernahme von Monsanto durch Bayer.

Aus diesem Anlass möchte ich kurz verschiedene Züchtungsansätze darstellen. An dieser Stelle möchte ich mich auf die Weizenzüchtung beschränken, die sich aber immerhin einer unserer wichtigsten Kulturpflanzen widmet. Derzeit gibt es verschiedene parallele Strömungen in der aktuellen Weizenzüchtung. Weiterlesen

Inspirierende Mischkulturen im hessischen Hochland: Linse-Hafer und Linse-Leindotter

Foto: eine Wintererbsen-Winterweizen Mischkultur auf dem Versuchsgut Neu-Eichenberg der Universität Kassel/Witzenhausen. Bilder von den Linsen-Mischkulturen findet man auf der Seite der Erzeugergemeinschaft Hessisches Hochland.


Als ich im letzten September meinen damaligen Kollegen am Umweltforschungszentrum davon berichtete, dass sich mein nächstes Forschungs-Projekt um Mischkulturen dreht, war die Skepsis doch recht groß, was die Relevanz dieses Themas in der landwirtschaftlichen Praxis angeht. Insbesondere in Bezug auf die Produktion von Lebensmitteln scheinen Monokulturen ungleich ökonomischer zu sein als Mischkulturen (der Begriff Mischkulturen kommt vor allem aus dem gärtnerischen Bereich, während man in der Landwirtschaft eher vom Gemengeanbau spricht).

Im Bereich der Futtermittel- oder Biomasse-Produktion ist der Gemengeanbau mittlerweile durchaus nicht unüblich, da hierfür z.B. keine Trennung des Erntegutes notwendig ist. Auch eine leicht versetzte Reife der Gemengepartner spielt hier keine so große Rolle. Für die Lebensmittelproduktion müssen die Ernteprodukte der Gemenge aus vermarktungstechnischen Gründen allerdings aufgereinigt werden. Hinzu kommt, dass die Gemenge-Partner möglichst zeitgleich reif sein müssen. Weiterlesen

Anregungen aus Bingenheim: biodynamische Züchtung und die Haltung der Züchterin

Foto links: eine etwas untypisch geratene rote Rosenkohl-Pflanze auf dem Dottenfelder Hof.


Letztes Wochenende war ich auf einem Seminar in Bingenheim. Das Seminar war eine Veranstaltung im Rahmen der Fortbildung biologisch-dynamische Gemüsezüchtung, die von Kultursaat organisiert wird. Zusammen mit vielen Seminarteilnehmern aus ganz Deutschland (und auch darüber hinaus) haben wir einen weiteren tiefen Einblick in die biologisch-dynamische Züchtung bekommen. Aber ich habe sogar Erkenntnisse mitgenommen, die über die biodynamsiche Züchtung weit hinausgehen und zwar gerade weil ich einen tieferen Einblick in die biodynamische Züchtung bekommen habe.

Drei verschiedene Züchterinnen bzw. Züchtungsforscherinnen haben uns ihren Züchtungsansatz vorgestellt. Dabei ging es einerseits um ganz praktische Dinge in der Züchtung. Z.B. wurden verschiedene Züchtungsmethoden erläutert, wie die Massenselektion oder die Einzelpflanzenauslese am Beispiel der Roten Beete. Andererseits kam in allen Präsentationen, Übungen, Erzählungen und der Sprache der Züchter etwas zum Ausdruck, das über die rein technischen Aspekte der Züchtung weit hinausgeht. Es war das, was in den Diskussionsrunden in dem Seminar als „Haltung des Züchters“ bezeichnet wurde. In welchem Verhältnis sieht sich die Züchterin zur Kulturpflanze und zur Entstehung neuer Kulturpflanzen, neuer Sorten und neuer Vielfalt? Weiterlesen