Archiv des Autors: Johannes Timaeus

Close the GAP?

An dieser Stelle möchte ich einen sehr interessanten und spannend zu lesenden Beitrag von Bartosz zur Gemeinsamen Agrarpolitik (GAP) der europäischen Union teilen. Die GAP verteilt ein sehr großes finanzielles Budget in der EU und hat dadurch einen starken Einfluss auf die Entwicklung der Landwirtschaft. Die Landwirtschaft wiederum ist ein entscheidendes Bindeglied zwischen menschlicher Gesellschaft und natürlichen Ressourcen sowie biologischer Vielfalt. Bartosz geht unter anderem darauf ein, wie Landwirte, Lebensmittelhandel und Konsumenten von den GAP-Finanzmitteln profitieren.

Skeptische Ökonomie

OK, ich gestehe, der Titel ist mir heute etwas holprig geraten: im Englischen wäre es nämlich eigentlich CAP, gemeint ist nämlich die Common Agricultural Policy (dt. Gemeinsame Agrarpolitik alias GAP) der EU. Die hinter dem holprigen Wortspiel stehende Frage ist nichtsdestotrotz gewichtig: wird das reichliche Drittel des EU-Haushalts, das in das System von Agrarsubventionen fließt, denn sinnvoll verwendet? Und falls nicht, was folgt daraus?

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Olivenöl: Massenprodukt, Monokulturen und das Sterben von Olivenbäumen in Italien

Gesunde Olivenbäume auf der griechischen Insel Thasssos. Foto von Petr Pakandl Quelle Wikipedia.


Olivenöl ist zu einem Massenprodukt geworden. In jeden Discounter findet man edel anmutendes „extra virgin“ Olivenöl und es gehört zur Standard-Ausstattung vieler Haushaltsküchen. Auch ich möchte nicht das teils fruchtige, teils schön herbe Aroma eines leckeren Olivenöles an meinem Salat missen. Dabei habe ich auch durchaus nicht selten zum billigen Olivenöl gegriffen. Diese Alltagsgewohnheiten haben allerdings handfeste Konsequenzen und eine davon ist die massive Ausdehnung von Olivenhainen, z.B. in Spanien. In der südspanischen Provinz Jaén in Andalusien sind 91% der landwirtschaftlichen Fläche mit Olivenbäumen bepflanzt und eine erheblicher Teil davon mit der Sorte Picual, die sich gut zur Herstellung von Olivenöl eignet (Sanchez-Martinez und Cabrera 2015). Die sich ausdehnenden Oliven-Monokulturen haben zunehmend die Fläche von Gemüsegärten um kleine Dörfer oder auch Mischkulturen aus Olivenbäumen mit Wein, Mandeln oder Obstbäumen verdrängt. Diese einseitige (monokulturelle) Form der Landwirtschaft ist damit eine klare Auswirkung des globalisierten Konsums und Handels. Bestimmte Regionen spezialisieren sich auf den Anbau (und evtl. die Verarbeitung) bestimmter Kulturpflanzen, um Einkommen für die lokale Bevölkerung oder Gewinne für externe Investoren zu erzielen. Ein solches monokulturelles Agrarsystem ist anfällig gegenüber epidemischen Ausbrüchen von Pflanzenkrankheiten. Grund zur Sorge gibt deshalb der Ausbruch einer neuen Olivenbaumkrankheit. Weiterlesen

Was sind die gesellschaftlichen Bedingungen für mehr Vielfalt in der Landwirtschaft?

Foto Links: eine Mischkultur aus Kaffe und Tomaten in Kolumbien. Foto von Neil Palmer, Quelle Wikipedia.


Gestern habe ich einen Vortrag im Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung in Halle zum Thema Diversifizierung in der Landwirtschaft am Beispiel von Mischkulturen gehalten. Unter Mischkulturen versteht man (im engeren Sinne) die gleichzeitige Kultivierung verschiedener Kulturpflanzenarten auf einer Fläche. Im weiteren Sinne kann man aber auch die gleichzeitige Kultivierung verschiedener Sorten einer Kulturpfanzenart als Mischkulturen bezeichnen. Die sich an meinen Vortrag anschließende Diskussion drehte sich zwar auch um biologische und ökologische Aspekte aber am heftigsten wurde doch über die Ökonomie und Praktikabilität von Mischkulturen diskutiert. Deshalb möchte ich an dieser Stelle noch einmal die diskutierten Argumente aufnehmen und ein bisschen ausführlicher darstellen.

Mischkulturen als Ansatz zur Diversifizierung der Landwirtschaft

Warum ist das Thema Mischkulturen überhaupt relevant? Mittels Mischkulturen kann man die externen Inputs in Agrarkultursysteme, wie Pestizide und Düngemittel reduzieren. Mischkulturen können teilweise die durch externe Betriebsmittel erbrachten Funktionen wie Unkrautbekämpfung und Schädlingsbekämpfung systemintern erbringen. Zunehmend werden in der Öffentlichkeit die Folgen des Einsatzes von Pestiziden, wie z.B. von Neonicotinoiden auf Bienen diskutiert. Ein weiteres Thema ist die Verschmutzung des Grundwassers durch Nitrateinträge, die aus der Düngung von Feldern stammt. Mischkulturen bieten hier einen Ansatz, um diesen negativen Folgen entgegenzuwirken. Weiterlesen

Wechsel von Leipzig nach Witzenhausen und neues Mischkultur-Projekt

Foto oben: Zu sehen ist eine relativ diverse Kulturlandschaft, wie ich sie in diesem Sommer in Rumänien beobachtet habe.


Endlich ist es soweit. Ich kann meinem faszinierenden Hobby – dem Experimentieren und Erforschen der Kulturpflanzenvielfalt – professionell nachgehen und werde für meine Leidenschaft auch noch bezahlt. Anfang September starte ich meine Arbeit in einem neuen Forschungsprojekt an der Universität Kassel im Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften in der Abteilung Ökologischer Pflanzenschutz bei Frau Prof. Maria Finckh. In dem Projekt ReMIX geht es um die Erforschung des Potenziales von Mischkulturen in europäischen Anbausystemen.

Die Entwicklung der westeuropäischen Landwirtschaft in den letzten Jahrzehnten war überwiegend geprägt von einer zunehmenden Spezialisierung landwirtschaftlicher Betriebe, immer großskaligeren Monokulturen, einer Abnahme landschaftlicher Komplexität und immer stärkeren Einträgen von Düngemitteln und Pestiziden in unsere Agrarkultursysteme. Um die daraus resultierenden Probleme (Nitratbelastung des Grundwassers, Verlust von Lebensräumen wilder Tiere und Pflanzen, Abhängigkeit von Ex- und Importen) zu bekämpfen, wird immer wieder gefordert mehr Vielfalt in unsere Agrarkultursysteme zu bringen. Biologische Vielfalt ist ein essentieller Baustein eines agrarökologischen Ansatzes, wie er z.B. von Altieri (1995) oder auch Gliessmann (2014) vertreten wird. In der Fachliteratur wird auch von einer sogenannten „diversifizierten Landwirtschaft“ (im Englischen „diversified farming“, Kremen et al. 2012) gesprochen. Weiterlesen

Die Evolution, Vielfalt und Kultur von Chilis

Foto links: Die Blüte einer Chilipflanze der Art Capsicum baccatum, die wir dieses Jahr in unserem Stadtgarten Querbeet in Leipzig kultivieren. Aufgenommen mit dem Makroequipment von Marius Brauer.


Chilis gehören mit Sicherheit zu den spannendsten Kulturpflanzen überhaupt auch wenn sie für die Ernährung nicht so zentral zu sein scheinen, wie Reis, Mais, Getreide oder Gemüse. Trotzdem faszinieren Chilis die Menschen schon seit tausenden von Jahren. Diesen Kulturpflanzen bin ich auch verfallen und deshalb werden wir in diesem Sommer wieder viele verschiedene Chilisorten in unserem Stadtgarten Querbeet in Leipzig anbauen. Momentan gedeihen bei uns z.B. die Sorten Scotch Bonnet, Jamy, Katharina (benannt nach einer Bekannten von der wir die Samen haben), Bhut Jolokia (Geisterchili), eine F2 Hybride aus einem Supermarkt, einige garteneigene Kreuzungen und eine wilde Chili (Capsicum rhomboideum), um nur einige zu nennen. Die Ernte wird dann u.a. in einer fermentierten Chilisauce, die ich „Hammerscharf“ nenne (hier das Rezept), verarbeitet.

In dieser Saison möchte ich viel Praktisches über die Kultivierung von Chilis lernen aber auch kulturelle und wissenschaftliche Hintergründe. Als ein Zwischenschritt setze ich dafür diesen Artikel in die Welt, in dem ich eine Reihe von spannenden Erkenntnissen teilen möchte, die ich aus der Literatur, eigenen konzeptionellen Überlegungen und der gärtnerischen/kulinarischen Praxis gewonnen habe. Dieses Wissen ist natürlich unvollständig aber wie ich denke doch spannend und reichhaltig genug, um es zu teilen und vielleicht auch den Einen oder die Andere mit meinem Chili-Enthusiasmus anzustecken. Weiterlesen

Der urbane Gemeinschaftsgarten als Lernort für Kinder und Erwachsene

Foto links: das Gewächshaus im Gemeinschaftsgarten Querbeet. Zu sehen sind vor allem verschiedene Chili- und Tomaten-Sorten.


In dieser Garten-Saison habe ich in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet Vieles gelernt und Neues gesehen. Z.B. habe ich gelernt, wie wichtig ein guter Boden bei der Anzucht von Chilis ist (ein Großteil meiner Chilis ist aufgrund schlechter Erde leider eingegangen), wie wilde Chili-Pflanzen aussehen, wie man Hochbeete repariert, wie die Blüten von Knoblauch aussehen, dass kartoffelblättrige Tomaten andere Blüten haben als normalblättrige Tomaten (was dazu führt, dass kartoffelblättrige Tomaten sich eher verkreuzen als normalblättrige), dass sich aus F2 Hybriden aus dem Supermarkt gute Chili-Pflanzen ziehen lassen und wie Zwergtomaten aussehen.

Vor ein paar Tagen habe ich auch mal anderen Menschen beim Lernen im Garten zugeschaut. Letzten Montag war eine 3. Schulklasse, angeleitet von LehramtsstudentInnen, in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet. Organisiert hatte dies Marius Brauer, seines Zeichens angehender Lehrer und Gemeinschaftsgärtner im Querbeet. Marius hat mich liebenswerterweise eingeladen ihn bei dem Besuch der Kinder in unserem Garten zu unterstützen. Weiterlesen

Knoblauch als evolutionäre Sackgasse oder züchterische Herausforderung

IMG_6670Foto oben: Hier gedeiht Knoblauch in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet in Leipzig.


Bisher habe ich mich, außer in der Küche, nicht viel mit Knoblauch beschäftigt. Vor kurzem habe ich aber an einer Züchter-Fortbildung von Kultursaat in Bingenheim teilgenommen und Sonja Lange getroffen, die diesen Kurs organisiert und … Knoblauch züchtet. Knoblauchzüchtung ist etwas ganz Besonderes. Züchtung beruht oft auf der Kreuzung verschiedener Sorten, um Vielfalt zu kreieren, aus der man bestimmte Pflanzen mit gewünschten Eigenschaften selektieren kann. Dies ist wichtig, um z.B. Sorten zu züchten, die Resistenzen gegen neue Krankheitserreger tragen. Bei Knoblauch ist eine solche Kreuzungszüchtung aber nicht ohne weiteres machbar.

Knoblauch gehört zu den Blütenpflanzen (Angiospermen), deren geschlechtliche Fortpflanzung durch die Blüten erfolgt. Allerdings wird der kultivierte Knoblauch (Allium sativum) immer ungeschlechtlich über sogenannte Brutzwiebeln vermehrt. Kulturknoblauch bildet meist entweder überhaupt keine oder aber nur sterile Blüten. Knoblauch kann also keinen Sex. Knoblauch fehlt damit eine wesentliche Eigenschaft zur Anpassung an eine sich verändernde Umwelt. Bei Knoblauch handelt es sich also gewissermaßen um eine evolutionäre Sackgasse. Oder aber, positiv gewendet, um eine züchterische Herausforderung. Weiterlesen