Archiv des Autors: Johannes Timaeus

Züchtung unkrautunterdrückender Getreide-Sorten als Alternative zu Glyphosat?

Foto links: ein Gersten-Feld in der Nähe von Witzenhausen.


Wie sehen unsere modernen Kultur-Pflanzen heute eigentlich aus? Und vor allem: warum sehen sie so aus wie sie aussehen? Wenn man heute vor einem Weizenfeld steht, sieht man ziemlich niedrige Pflanzen und verhältnismäßig große Ähren. Früher sahen die meisten Weizensorten allerdings anders aus. Sie waren vor allem wesentlich länger und hatten einen größeren Stroh-Anteil. Mit der Grünen Revolution kamen dann die sogenannten „Hochertrags-Sorten“, die sehr kurze Halme haben und im Verhältnis dazu sehr große und meist unbegrannte Ähren. Diese kurzstrohigen Sorten wurden durch die Einkreuzung sogenannter Zwerggene bzw. genauer Zwerg-Allele (Rht-B1b und Rht-D1b) erzeugt. Dadurch reagiert der Weizen nicht mehr bzw. nur noch reduziert auf das pflanzeneigene Wachstumshormon Gibberelin und zeigt ein reduziertes Längenwachstum.

Vorteil dieser Zwergsorten ist einerseits, dass die meisten Ressourcen während des Wachstums in die Ähre gehen und nicht in die Halme. Dadurch erhöht sich der Ernteindex also der Teil der Biomasse, der in Form von Körnern verwertet werden kann. Ein weiterer Vorteil ist, dass kurze Weizensorten im Gegensatz zu langen Weizensorten bei hohen Düngegaben nicht umkippen („ins Lager gehen“ wie man in der Landwirtschaft sagt). Diese Sorten sind auf maximal Erträge hin züchterisch optimiert und sind das Resultat eines enormen Züchtungsfortschrittes. Weiterlesen

Biologische Vielfalt, Mischkulturen und moderne Landwirtschaft: ein unüberwindbarer Widerspruch?

Das Weco-Dyn-System mit mehreren Saat-Behältern. Ein Beispiel für Anpassung der Technik an Mischkulturen. Fotografiert auf dem Versuchsbetrieb der Universität Kassel in Neu Eichenberg.


An dieser Stelle möchte ich ein paar Erkenntnisse teilen, die wir in unserem Projektteam am Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz durch einen Workshop zu Mischkulturen (den Bericht findet man hier), eigenen Erfahrungen und Gesprächen mit Landwirten gewinnen konnten. Diese Einsichten sind natürlich als vorläufig und qualitativ einzuschätzen aber vielleicht auch gerade deshalb so interessant.

Die moderne, spezialisierte und technologieorientierte Landwirtschaft gilt als ein durch Monokulturen geprägtes System. Enge Fruchtfolgen, Felder mit nur einer einzigen Kulturpflanzenart, die von fast allen wilden Pflanzen bereinigt sind und teils riesige räumliche Ausmaße annehmen, bestimmen das Bild der modernen Landwirtschaft. Biologische Vielfalt, Mischkulturen und weite Fruchtfolgen sind allenfalls etwas für die kleinbäuerliche Landwirtschaft in rückständigen Gesellschaften oder für Hobbygärtnerinnen und Träumer. Produktivität in der Landwirtschaft und biologische Vielfalt scheinen in einem starken Widerspruch zu stehen. Weiterlesen

Mischkulturen in der Wertschöpfungskette: von französischen Landwirten, Kooperativen und Raps

IMG_7733Rapsanbau in Monokultur in Nord-Hessen. Der Rapsanbau hat mit erheblichen Problemen im Pflanzenschutz zu kämpfen.


Die letzten Tage war ich Ancenis in West-Frankreich auf einem Treffen im Rahmen des Remix-Projektes, bei dem sich alles um Mischkulturen dreht. Das Treffen fand im Hauptquartier der Terrena Kooperative statt, die auch Partner in dem Remix Projekt ist. Nach eigenen Angaben sind 29 000 Landwirte innerhalb der Terrena-Kooperative organisiert. Die Kooperative integriert die gesamte Wertschöpfungskette von der Saatgutproduktion und landwirtschaftlichen Beratung über die Getreide- und Gemüse-Produktion bis hin zur Logistik, Verarbeitung und Vermarktung.

Ein zentrales Thema des Treffens war die Frage, wie sich Mischkulturen in die landwirtschaftliche Praxis bringen lassen. Mischkulturen sind ein vielversprechender Ansatz die landwirtschaftliche Produktion vielfältiger zu gestalten (zu diversifizieren). Dadurch könnten die für die landwirtschaftliche Produktion benötigten Leistungen (Pflanzengesundheit, Düngung) zum Teil innerhalb des agrarökologischen Systems statt durch externe Betriebsmittel erzeugt werden.

Die Landwirtschaft ist allerdings nur ein Teil einer komplexen Wertschöpfungskette aus Saatgutproduktion, Pflanzenbau und Tierhaltung, Logistik, Verarbeitung, Einzelhandel und Konsumenten. Eine typisches Problem von Mischkulturen ist z.B., dass die verarbeitenden Betriebe die Lebensmittel oder Futter produzieren reine Zutaten verwenden und diese gegebenenfalls nach spezifischen Rezepten mischen. Dafür müssten die im Anbau gemischten Kulturen aber wieder aufgetrennt werden. Ein Beispiel dafür ist der Mischanbau von Linsen mit Hafer bzw. Leindotter. Weiterlesen

Wurzelhosen als Pflanze-Boden Schnittstelle und ihre Bedeutung für Landwirtschaft und Züchtung

Zeichnung links:  hier sieht man Wurzelhosen an zwei Weizen-Sämlingen verschiedenen Alters. Quelle: Sachs 1882.


Bisher habe ich mich noch nicht so viel mit dem Thema Boden auseinandergesetzt – weder wissenschaftlich noch praktisch im Garten. Bis mein Kollege (Stephan Junge) am Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz in einem Vortrag ein Foto einer sogenannten Wurzelhose (im Englischen rhizo sheath) zeigte. Man sah eine aus dem Boden gezogene Triticale-Pflanze, deren Wurzeln in einer dicken Erdschicht eingehüllt waren (ähnlich wie in der Zeichnung bei Sachs). Möglicherweise sei dies ein Effekt des regenerativen Kartoffelanbaues (Teil der regenerativen Landwirtschaft), dessen Ziel es ist den Boden während seiner landwirtschaftlichen Nutzung nicht nur zu erhalten sondern sogar zu verbessern. Möglicherweise hatte hier der regenerative Kartoffelanbau die Bodenentwicklung gefördert, was sich dann in den stark ausgeprägten Wurzelhosen der Triticale äußerte.

Schon in seinem Buch über die arabisch-ägyptische Flora von 1887 erwähnt Volkens Wurzelhosen und beschreibt sie folgendermaßen: “wie das Bein in der Hose, oder besser und ästhetischer ausgedruckt, wie eine Phryganeenlarve in dem selbst gebauten Gehause.“  (Volkens 1887, S.25/26). Mit Phryganeenlarven sind Köcherfliegenlarven gemeint, die man häufig ins Süßgewässern antrifft.

Jeder kann Wurzelhosen in seinem Garten beobachten. Das habe ich kürzlich auch gemacht. Man muss nur mal eine Wurzel irgendeiner Gras- oder Getreide-Art ausgraben. Sehr gut zu sehen ist dann eine Erdschicht, die ziemlich fest an den Wurzeln anhaftet, sich von diesen nur schwer lösen lässt und in der Tat wie eine Hose wirkt. Weiterlesen

Feldtag in Neu Eichenberg (19.6.18): Ressourceneffizienz durch Bodenschonung und Biodiversität

FeldtageAm 19.6. richtet das Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz der Universität Kassel/Witzenhausen einen Feldtag aus. Es wird eine geballte Ladung an Vorträgen von Wissenschaftlern und Praktikern geben sowie Feldrundgänge und viele Möglichkeiten für direkten Austausch und Diskussionen. Dabei geht es vor allem um viele Ansätze die Landwirtschaft gleichzeitig ökologisch und produktiv  zu gestalten. Vorträge gibt es z.B. zu den Themen „Pflugloser Ackerbau ohne Glyphosat“ (von Rolf Kern), „Leguminosen in Mischungen“ (von Helmut Saucke), „Regenerativer Kartoffelanbau“ (von Stephan Junge) und „Mischungen in Zwischenfrüchten“ (von Jan-Hendrik Schulz). Bei den Feldrundgängen geht es unter anderem um „Veränderungen der boden-physikalischen Eigenschaften unter pflugloser Bearbeitung“ (Malte Horvat) oder um „Evolutionäre Weizenzüchtung“ (Odette Weedon). Es wird bestimmt spannend also kommt vorbei.

Das vollständige Programm findet man hier.

Anmelden kann man sich bei meinem Kollegen Rainer Wedemeyer.

Das Tomatensaatgut ist da: Ring-Sorten, befreite und wilde Tomaten

Foto links: Tomatensaatgut der wilden Tomaten-Art Solanum pimpinellofolium aus der Genbank am IPK in Gatersleben.


So nun ist alles angekommen: Saatgut der Sorten Puszta Kolosz (eine sehr große Fleischtomate), samenfeste Harzfeuer (eine Auslese der sehr beliebten Hybridtomate) und Champion Dwarf (eine sogenannte Zwergtomate). Das Saatgut ist Teil eines neuen Projektes des VEN seine Saatgut und Erhaltungsarbeit auf neue Füße zu stellen. Statt eines Paten-Systems erproben wir gerade ein System aus Erhalter-Ringen. Wenn dieses System gut funktioniert, könnte dies zu etwas führen, was man als Ringsorte bezeichnen könnte. Bisher gab es deutschlandweit reges Interesse, so dass das gesamte Saatgut für die ersten 12 Sorten vergriffen ist. Weiterlesen

Workshop zu Mischkulturen: Aus Erfahrung lernen und Neues anstoßen

Am 14. April werden wir in Witzenhausen an dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel einen Workshop zu Mischkulturen durchführen. Mischkulturen bzw. der Gemengeanbau sind eine interessante Option den Einsatz externer Betriebsmittel (Pestizide, Herbizide, Düngemittel) in der Landwirtschaft zu reduzieren. Der Workshop richtet sich vor allem an Landwirtinnen und Landwirte. Ziel des Workshops ist es einen fruchtbaren Austausch zwischen Forschung und
landwirtschaftlicher Praxis anzuregen sowie Möglichkeiten für eine zukünftige
Zusammenarbeit auszuloten. Dabei möchten wir explizit auch auf das wertvolle Wissen in der Praxis zurückgreifen und haben dafür Referenten aus der landwirtschaftlichen Praxis eingeladen. Das Programm und die Einladung zu dem Workshop findet man unter diesem Link.

Anmelden kann sich direkt bei mir per Mail: johannes.timaeus@uni-kassel.de.

Der Workshop findet im Rahmen des von der EU geförderten Projektes ReMIX statt.