Archiv für den Monat September 2019

Inspirationen aus Budapest von der European Conference on Crop Diversification

Phil Howard erläutert am Beispiel der Bierindustrie den Teufelskreis aus industrieller Dominanz sowie Widerstand und Alternativen, die letztlich doch wieder vereinnahmt werden.


In Budapest hatte ich gerade die Gelegenheit an einer spannenden und inspirierenden Veranstaltung teilzunehmen, der European Conference on Crop Diversification. So langsam scheint sich eine schlagkräftige community rund um das Thema Diversifizierung in der Landwirtschaft zu bilden und ich werde definitiv einiges an neuen Ideen und vor allem Energie mitnehmen. Eine englische Version dieses Beitrages findet ihr auf der Seite des Crop Diversification Clusters und einen Kurzbericht der Konferenzorganisator*innen hier.

Seed to Kitchen: partizipative Züchtung in Wisconsin

Julie Dawson von der Universität Wisconsin ist eine echte Inspiration. Besonders spannend ist ihr partizipatives Züchtungsprojekte Seed to Kitchen. Hier werden Zuchtlinien und Sorten gemeinsam von Züchtern, Gärtnern, Köchen und Wissenschaftlern untersucht, angebaut und verkostet. Am Anfang stand natürlich die Frage, was eigentlich eine gute Sorte ist. Daraufhin wurden Gärtner*innen befragt, was ihre entscheidenden Kriterien für die Wahl von Gemüsesorten sind, wobei sich Geschmack, Krankheitsresistenzen und Ertrag als die drei wichtigsten Kriterien herausstellten. Mit dabei ist übrigens auch Jim Meyers, der an der Züchtung der blauen anthocyanhaltigen Tomate Indigo Rose beteiligt war. Besonderes Augenmerk liegt in der Zusammenarbeit mit kleinen Gärtnereien, die lokale Märkte und Restaurants versorgen. Die Bedürfnisse von ihnen werden nach Dawsons Aussagen durch die großen Züchter nicht gut bedient. In diesem Projekt finden auch umfangreiche Verkostungen statt, die mit einfachen und nicht so ressourcen-hungrigen aber methodisch stringenten Methoden durchgeführt und ausgewertet werden (rapid sensory assessment/profiling). Dawson und Healy (2018) geben in ihrem Artikel eine gute Übersicht zu diesen Methoden. Interessant ist auch das Internetinterface Seedlinked, das dazu dient die on-farm Daten zu erfassen aber auch automatisch aufzubereiten und so den crowdsourcing Gedanken effektiv umzusetzen. So können alle Beteiligten direkt die Ergebnisse aller Gärtner*innen sehen. Seed to Kitchen ist ein interessanter Ansatz das Verhältnis von Menschen und Kulturpflanze weiterzuentwickeln. Es kommen zwar moderne Technologien zum Einsatz aber Pflanzen und Menschen stehen im Mittelpunkt. Das ist ein ganz anderer Ansatz als das rein technologie- und produktivitätsgetriebene Vorgehen vieler großer Zuchtunternehmen. Mehr Details über die Seed to Kitchen Initiative inklusive einer selbstkritischen Reflexion findet man bei Healy und Dawson (2019, leider hinter einer Paywall aber es gibt ja andere Wege…) Weiterlesen