Archiv für den Monat August 2019

Crispr-Multilines als Diversifizierungs-Ansatz in der ökologischen Züchtung: Potential und Kritik

Eine genetisch diverse Multiline, gut erkennbar an den verschiedenen Ährenfarben.


Ein Gedanke treibt mich schon seit einiger Zeit um. Es geht um die Verbindung eines alten Züchtungsansatzes zur Diversifizierung von Pflanzensorten – den sogenannten Multilines – mit moderner Gentechnik. Hierdurch ließen sich die Stärken zweier Ansätze möglicherweise elegant kombinieren. Allerdings gehört meiner Meinung nach zu der Entwicklung dieser Idee auch eine kritische Reflexion. Wie ließen sich Crispr-Multilines wirklich positiv nutzen und dienen nicht nur der übermäßigen Kapitalanhäufung bestimmter Institutionen und Personen? Ich befürchte, dass ein überhasteter Einsatz dieser Technologie mehr Schaden anrichtet als Vorteile bringt.

Multilines als Diversifizierungsansatz

Trotzdem, die Idee liegt so nahe und ich finde sie so interessant, dass ich sie hier kurz vorstellen muss. Meines Wissens nach wurde dieser Ansatz bisher weder in der Literatur diskutiert noch experimentell untersucht (falls es jemand besser weiss, sagt bescheid). Multilines sind ein Ansatz in der Resistenzzüchtung und eine Alternative zur sogenannten Pyramidisierung mehrerer Resistenzgene in einer Sorte (Browning und Frey 1969). Bei der Pyramidisierung werden verschiedene Resistenzen aus mehreren Genetiken in eine Sorte eingekreuzt. Hierdurch wird es den Pathogenen erschwert die Resistenzen zu überwinden. Ein Problem dabei ist aber, dass eine multiresistente Sorte genetisch einheitlich ist und so einen starken Selektionsdruck auf den Pathogenorganismus ausübt. Dies kann die Evolution resistenter Pathogene begünstigen. Multilines dagegen sind genetisch vielfältig. Sie bestehen aus mehreren genetischen Linien die jeweils nur eine oder wenige Resistenzen tragen und zwar verschiedene. Hierdurch ergibt sich eine andere epidemiologische Dynamik. Dadurch, dass es verschiedene Genetiken in den Multilines gibt, entstehen auf das Pathogen Selektionsdrücke in verschiedene Richtungen. Hierdurch sollte die Entstehung von Pathogenen, die alle Resistenzen der Multilines überwinden, verlangsamt werden. Sollte doch eine Resistenz in einer Multiline überwunden werden, kann die entsprechende Linie ausgetauscht werden. Allerdings wurde auch darauf hingewiesen, dass durch Multilines möglicherweise sogenannte Super-Rassen innerhalb der Pathogen-Populationen entstehen könnten (siehe z.B. Finckh und Wolfe 2006 für eine Diskussion dieses Themas). Weiterlesen