Biologische Vielfalt als integraler Bestandteil der Landwirtschaft? Ein Blick auf die Tagung Ökolandbau 2017 in Freising

Foto Oben: Hier sieht man biologisch produziertes Ackerbohnen-Saatgut, welches ich auf einer Exkursion während der Tagung in Freising fotografiert habe.


Vom 7. bis zum 10. März habe ich Freising besucht, um mich bei der Wissenschaftstagung Ökolandbau über die neusten Trends im Bereich der ökologischen Agrarwissenschaften zu informieren. An dieser Stelle möchte ich ein kurzes Schlaglicht auf einige der spannendsten Aspekte der Konferenz werfen. Diese Konferenz fand zum 14. mal statt, für mich war es aber das erste Mal. Deshalb war es für mich eine Premiere. Ich bin etwas aufgeregt zu dieser Veranstaltung gefahren, da ich in dieser Szene noch nicht so tief drin stecke und gleichzeitig einen eigenen Beitrag präsentieren wollte. Trotz meines großen Interesses an Agrarwissenschaften und Ökolandbau kam ich also gewissermaßen als Neuling zu dieser Veranstaltung. Weiterlesen

Warum es weder Super-Weizen noch Super-Rinder gibt: Züchtung und Werte

spitzenbulle_in_libramont-kopieFoto links: Ein schwarz-weißer Bulle der Rinderrasse Weißblauer Belgier, die bedingt durch eine Mutation im Myostatin-Gen ein enormes Muskelwachstum aufweist. Foto von Mastiff, Quelle Wikipedia.


Heutzutage ist Züchtung ein hochwissenschaftliches und hochgradig technologie-basiertes Unterfangen. Genome Editing, Hochdurchsatz-Phänotypisierung, Predictive Breeding, und Next-Gen-Sequencing sind nur ein paar der Technologien, die einen enormen Zuchtfortschritt versprechen. Hinter dieser Technologie- und Wissenschafts-Orientierung geht ein zentrales Element in der Züchtung von Tieren und Pflanzen ein wenig verloren: die Werte an denen sich notwendigerweise jede Züchtung orientiert. Da Züchtung und Züchtungsforschung immer bestimmte Zuchtziele verfolgen, sind diese notwendigerweise immer wertorientiert.

Die PR-Abteilungen in den Forschungsinstituten und den Züchtungsfirmen lassen diesen Aspekt aber gerne außen vor und thematisieren ihn allenfalls implizit. Ein gutes Beispiel dafür ist die aktuelle Züchtungsforschung am Weizen. Das erklärte Ziel ist es, den Weizen zu einer sogenannten Hybrid-Sorte weiterzuentwickeln. Da dies beim Weizen aus fortpflanzungsbiologischen Gründen nicht so einfach ist wie bei anderen Kulturpflanzen, werden erhebliche Forschungsanstrengungen unternommen. Die Universität Hohenheim bewirbt ihre Forschung zum Hybridweizen in einer Pressemitteilung mit dem Titel „Super-Weizen gesucht: Forscher starten Deutschlands größtes Weizenzucht-Projekt“. Weiterlesen

Naturidentische GVO als Mittel der Aneignung von Leben: die nächste Stufe der Biokapitalisierung?

1200px-cow_female_black_white-kopieFoto links: Eine Milchkuh der Rasse Holstein, eine der weltweit bedeutendsten Milchrinder-Rassen. Diesem Exemplar wurden die Hörner noch durch klassische Züchtung genommen. Foto von Keith Weller/USDA, Quelle Wikipedia.


An dieser Stelle möchte ich auf ein erhebliches Risiko der aktuellen Fortschritte in der Biologie, Biotechnologie und Züchtung hinweisen. Dieses Risiko wird selbst von vielen Kritikern der Gentechnik in seinem Kern und seiner Bedeutung nicht erkannt. Dieses Risiko ist nicht primär ökologischer oder gesundheitlicher, sondern sozialer und ökonomischer Natur.

Eine ganze Phalanx neuer Technologien, darunter auch das Genome Editing ermöglichen ein neues kulturbiologisches Phänomen: naturidentische gentechnisch veränderte Organismen, kurz nGVO. Zu diesen Techniken gehören allen voran die verschiedenen CRISPR-Varianten, wie CRISPR/Cas9 oder auch das neuere CRISPR/Cpf1. Weiterlesen

Eine Wende in der Evolutionstheorie: Extended Evolutionary Synthesis und die Erweiterung der menschlichen Nische

img_4869Foto Links: Ein Landwirt mit seinen Büffeln auf Sri Lanka, den ich zusammen mit Patrice Wolger im März 2016 besucht habe.


An dieser Stelle möchte ich auf eine wissenschaftlich hochspannende, aber wie ich finde auch gesellschaftlich extrem relevante Entwicklung in der Evolutionsforschung eingehen. Es zeichnet sich zur Zeit ein erheblicher Wandel unseres Verständnisses der Evolution ab. Dies hat nicht nur Implikationen für das naturwissenschaftliche Verständnis der Evolution biologischer Organismen sondern auch für unser Verständnis der Evolution der Interaktion von Menschen mit der biologischen Vielfalt auf unserem Planeten. Weiterlesen

Die Steckrübe ist Gemüse des Jahres für 2017/2018

rutabaga_variety_nadmorska-kopie-2Foto links: Steckrüben, Foto von Picasa user Seedambassadors Quelle Wikipedia.


Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) hat die Steckrübe als Gemüse des Jahres für 2017/2018 auserkoren. In der AG Gemüse des Jahres haben wir uns in die Untiefen der Gemüseliteratur begeben und viele spannende Informationen zur Kulturgeschichte, Sortenvielfalt und Kultivierung im Garten zusammengetragen. Außerdem gibt es eine schöne Sammlung an Rezepten für die Steckrübe.

In Zeiten in denen rasende Fortschritte in den Biowissenschaften und Informationswissenschaften massiven Einfluss darauf haben, was auf unseren Tellern und Äckern landet, ist es wichtig auch mal zurückzuschauen, wo unsere Nutzpflanzenvielfalt eigentlich herkommt. Weiterlesen

Partizipative Tomatenzüchtung in Italien: samenfeste VS hybride Tomaten

tomatentag-2016-1Auf dem Foto Links seht ihr die Tomatenausstellung, die Peter Schurz in diesem Jahr in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet organisiert hat.


Bei einer Internetrecherche bin ich auf ein spannendes Forschungsprojekt in Italien gestoßen, welches mit partizipativen Ansätzen der Pflanzenzüchtung bei Tomaten experimentiert. Zwar gibt es wohl eine Reihe lokaler italienischer Landsorten bei den Tomaten, allerdings eignen sich diese nicht für den kommerziellen Anbau. Deshalb werden von Profis, auch von Biogärtnern, vor allem im Ausland gezüchtete Tomatensorten – vorwiegend Hybridsorten – verwendet. Diese sind einerseits sehr teuer und wurden weder für den biologischen Anbau noch für die italienischen Umweltbedingungen angepasst.

Also haben sich ein paar italienische Wissenschaftler mit Tomatengärtnern zusammengetan und ein partizipatives Zuchtprogramm gestartet. Bisher ist die partizipative Züchtung vor allem ein Ansatz in sogenannten „Entwicklungsländern“, wird aber mittlerweile auch als ein fruchtbarer Ansatz für westliche Agrarwirtschaften gesehen. Hier möchte ich in aller Kürze die Ergebnisse darstellen, die man in der Publikation im Detail nachlesen kann (Campanelli et al 2015). Weiterlesen

Symposium für Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt 2016: zwischen Erhaltung und Weiterentwicklung biologischer Vielfalt

img_6259Foto Links: Hier sieht man eine Baumwoll-Pflanze im Tropen-Gewächshaus in Witzenhausen.


In diesem Bericht möchte ich von einem spannenden Treffen in Witzenhausen berichten. Vom 25.11. bis zum 27.11. fand in Witzenhausen das jährliche Symposium des Dachverbandes für Kulturpflanzen- und Nutztiervielfalt statt und griff viele wichtige Themen im Bereich der kultivierten biologischen Vielfalt auf. Ich habe aus diesem Treffen viel mitgenommen und es hat mir viele Inspirationen für die Zukunft gegeben. Damit diese Inspiration für eine zukunftsfähige Kultivierung der biologischen Vielfalt ihren Weg in die Welt findet, habe ich einen kleinen Bericht verfasst.

Die aktuelle Bedeutung kultivierter biologischer Vielfalt

Die hohe aktuelle Relevanz des Symposiums ergibt sich aus einer immer massiver werdenden Kontrolle kultivierter biologischer Vielfalt durch Züchtungs- und Agrarunternehmen. Diese zunehmende Kontrolle biologischer Vielfalt ist das Resultat dreier parallelverlaufender Entwicklungen. Weiterlesen