Mischkulturen in der Wertschöpfungskette: von französischen Landwirten, Kooperativen und Raps

IMG_7733Rapsanbau in Monokultur in Nord-Hessen. Der Rapsanbau hat mit erheblichen Problemen im Pflanzenschutz zu kämpfen.


Die letzten Tage war ich Ancenis in West-Frankreich auf einem Treffen im Rahmen des Remix-Projektes, bei dem sich alles um Mischkulturen dreht. Das Treffen fand im Hauptquartier der Terrena Kooperative statt, die auch Partner in dem Remix Projekt ist. Nach eigenen Angaben sind 29 000 Landwirte innerhalb der Terrena-Kooperative organisiert. Die Kooperative integriert die gesamte Wertschöpfungskette von der Saatgutproduktion und landwirtschaftlichen Beratung über die Getreide- und Gemüse-Produktion bis hin zur Logistik, Verarbeitung und Vermarktung.

Ein zentrales Thema des Treffens war die Frage, wie sich Mischkulturen in die landwirtschaftliche Praxis bringen lassen. Mischkulturen sind ein vielversprechender Ansatz die landwirtschaftliche Produktion vielfältiger zu gestalten (zu diversifizieren). Dadurch könnten die für die landwirtschaftliche Produktion benötigten Leistungen (Pflanzengesundheit, Düngung) zum Teil innerhalb des agrarökologischen Systems statt durch externe Betriebsmittel erzeugt werden.

Die Landwirtschaft ist allerdings nur ein Teil einer komplexen Wertschöpfungskette aus Saatgutproduktion, Pflanzenbau und Tierhaltung, Logistik, Verarbeitung, Einzelhandel und Konsumenten. Eine typisches Problem von Mischkulturen ist z.B., dass die verarbeitenden Betriebe die Lebensmittel oder Futter produzieren reine Zutaten verwenden und diese gegebenenfalls nach spezifischen Rezepten mischen. Dafür müssten die im Anbau gemischten Kulturen aber wieder aufgetrennt werden. Ein Beispiel dafür ist der Mischanbau von Linsen mit Hafer bzw. Leindotter. Weiterlesen

Wurzelhosen als Pflanze-Boden Schnittstelle und ihre Bedeutung für Landwirtschaft und Züchtung

Zeichnung links:  hier sieht man Wurzelhosen an zwei Weizen-Sämlingen verschiedenen Alters. Quelle: Sachs 1882.


Bisher habe ich mich noch nicht so viel mit dem Thema Boden auseinandergesetzt – weder wissenschaftlich noch praktisch im Garten. Bis mein Kollege (Stephan Junge) am Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz in einem Vortrag ein Foto einer sogenannten Wurzelhose (im Englischen rhizo sheath) zeigte. Man sah eine aus dem Boden gezogene Triticale-Pflanze, deren Wurzeln in einer dicken Erdschicht eingehüllt waren (ähnlich wie in der Zeichnung bei Sachs). Möglicherweise sei dies ein Effekt des regenerativen Kartoffelanbaues (Teil der regenerativen Landwirtschaft), dessen Ziel es ist den Boden während seiner landwirtschaftlichen Nutzung nicht nur zu erhalten sondern sogar zu verbessern. Möglicherweise hatte hier der regenerative Kartoffelanbau die Bodenentwicklung gefördert, was sich dann in den stark ausgeprägten Wurzelhosen der Triticale äußerte.

Schon in seinem Buch über die arabisch-ägyptische Flora von 1887 erwähnt Volkens Wurzelhosen und beschreibt sie folgendermaßen: “wie das Bein in der Hose, oder besser und ästhetischer ausgedruckt, wie eine Phryganeenlarve in dem selbst gebauten Gehause.“  (Volkens 1887, S.25/26). Mit Phryganeenlarven sind Köcherfliegenlarven gemeint, die man häufig ins Süßgewässern antrifft.

Jeder kann Wurzelhosen in seinem Garten beobachten. Das habe ich kürzlich auch gemacht. Man muss nur mal eine Wurzel irgendeiner Gras- oder Getreide-Art ausgraben. Sehr gut zu sehen ist dann eine Erdschicht, die ziemlich fest an den Wurzeln anhaftet, sich von diesen nur schwer lösen lässt und in der Tat wie eine Hose wirkt. Weiterlesen

Feldtag in Neu Eichenberg (19.6.18): Ressourceneffizienz durch Bodenschonung und Biodiversität

FeldtageAm 19.6. richtet das Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz der Universität Kassel/Witzenhausen einen Feldtag aus. Es wird eine geballte Ladung an Vorträgen von Wissenschaftlern und Praktikern geben sowie Feldrundgänge und viele Möglichkeiten für direkten Austausch und Diskussionen. Dabei geht es vor allem um viele Ansätze die Landwirtschaft gleichzeitig ökologisch und produktiv  zu gestalten. Vorträge gibt es z.B. zu den Themen „Pflugloser Ackerbau ohne Glyphosat“ (von Rolf Kern), „Leguminosen in Mischungen“ (von Helmut Saucke), „Regenerativer Kartoffelanbau“ (von Stephan Junge) und „Mischungen in Zwischenfrüchten“ (von Jan-Hendrik Schulz). Bei den Feldrundgängen geht es unter anderem um „Veränderungen der boden-physikalischen Eigenschaften unter pflugloser Bearbeitung“ (Malte Horvat) oder um „Evolutionäre Weizenzüchtung“ (Odette Weedon). Es wird bestimmt spannend also kommt vorbei.

Das vollständige Programm findet man hier.

Anmelden kann man sich bei meinem Kollegen Rainer Wedemeyer.

Das Tomatensaatgut ist da: Ring-Sorten, befreite und wilde Tomaten

Foto links: Tomatensaatgut der wilden Tomaten-Art Solanum pimpinellofolium aus der Genbank am IPK in Gatersleben.


So nun ist alles angekommen: Saatgut der Sorten Puszta Kolosz (eine sehr große Fleischtomate), samenfeste Harzfeuer (eine Auslese der sehr beliebten Hybridtomate) und Champion Dwarf (eine sogenannte Zwergtomate). Das Saatgut ist Teil eines neuen Projektes des VEN seine Saatgut und Erhaltungsarbeit auf neue Füße zu stellen. Statt eines Paten-Systems erproben wir gerade ein System aus Erhalter-Ringen. Wenn dieses System gut funktioniert, könnte dies zu etwas führen, was man als Ringsorte bezeichnen könnte. Bisher gab es deutschlandweit reges Interesse, so dass das gesamte Saatgut für die ersten 12 Sorten vergriffen ist. Weiterlesen

Workshop zu Mischkulturen: Aus Erfahrung lernen und Neues anstoßen

Am 14. April werden wir in Witzenhausen an dem Fachbereich Ökologische Agrarwissenschaften der Universität Kassel einen Workshop zu Mischkulturen durchführen. Mischkulturen bzw. der Gemengeanbau sind eine interessante Option den Einsatz externer Betriebsmittel (Pestizide, Herbizide, Düngemittel) in der Landwirtschaft zu reduzieren. Der Workshop richtet sich vor allem an Landwirtinnen und Landwirte. Ziel des Workshops ist es einen fruchtbaren Austausch zwischen Forschung und
landwirtschaftlicher Praxis anzuregen sowie Möglichkeiten für eine zukünftige
Zusammenarbeit auszuloten. Dabei möchten wir explizit auch auf das wertvolle Wissen in der Praxis zurückgreifen und haben dafür Referenten aus der landwirtschaftlichen Praxis eingeladen. Das Programm und die Einladung zu dem Workshop findet man unter diesem Link.

Anmelden kann sich direkt bei mir per Mail: johannes.timaeus@uni-kassel.de.

Der Workshop findet im Rahmen des von der EU geförderten Projektes ReMIX statt.

Umfrage zu Mischkulturen/Gemengen als innovative Kulturpraxis in der Landwirtschaft

Foto Links: hier sieht man ein Gemenge aus Leindotter und Linse. Fotoquelle: Anbau- und Vermarktungsgemeinschaft Hessisches Hochland.


Mischkulturen bzw. Gemenge haben einiges an Potential mehr Vielfalt auf die Äcker zu bringen und gleichzeitig zu einem produktiven landwirtschaftlichen Betrieb beizutragen. Um den Stand in der Praxis in Sachen Mischkulturen zu beleuchten, haben meine Kollegen im Rahmen des Projektes Remix eine Umfrage zu Mischkulturen ausgearbeitet. Sie richtet sich an Landwirtinnen und Landwirte (im Voll- oder Nebenerwerb). Wir möchten u.a. wissen:

  • Ob und welche Mischkulturen schon in der Praxis Anwendung finden.
  • Was die Vorteile von Mischkulturen aus Praxis-Sicht sind
  • Was möglicherweise die Hürden für Mischkulturen in der Praxis sind und was deren Praxistauglichkeit verbessern würde.

Es geht im Prinzip also darum rauszufinden, wie man mittels Mischkulturen wieder mehr Vielfalt in die Landwirtschaft bekommt und so auch den Einsatz von Pestiziden, Herbiziden und Düngemitteln zu reduzieren. Ein kleinen aber sehr wichtigen Beitrag dazu kann man durch das Ausfüllen unserer Online-Umfrage leisten. Dafür sollte man sich ein bisschen Zeit nehmen, ca. 15 Minuten. Weiterlesen

Erhalter-Ringe für Tomaten und Bohnen: engagierte GärtnerInnen gesucht

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Ringe sind nicht nur schön. Fotoquelle Pixabay.


Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ist gerade dabei sein Konzept für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt zu überarbeiten. Das bisherige System war ein Patensystem in dem bestimmte besonders wertvolle Sorten einzelnen Paten zur Erhaltung übergeben wurden. Dadurch lastete die Verantwortung für die Erhaltung einer Sorte überwiegend auf einer einzelnen Person. Nun hat der VEN ein neues Erhaltungskonzept eingeführt: Erhalter-Ringe. In Erhalter-Ringen kümmern sich mehrere Gärtnerinnen um jeweils eine Sorte. Falls jemand mal keine gute Samenernte hat oder aus vielfaltigen Gründen ein Jahr den Anbau aussetzen muss, dann gibt es immer noch andere Erhalter, die Saatgut produzieren. Der VEN startet mit Erhalterringen zu Tomaten und Bohnen, da hier der Samenbau kaum von der normalen Nutzung in Garten und Küche abweicht. Bei diesen Kulturen – Bohnen und Tomaten sind einjährig und überwiegend selbstbefruchtend – lässt sich der Samenbau leicht in den gärtnerischen Alltag integrieren (anders als bei Fremdbefruchtern und mehrjährigen Kulturen) und ist auch ohne Kenntisse auf Profi-Level möglich.

Die Ringe sollten sich prinzipiell dezentral organisieren, werden aber vom VEN in ihrer Arbeit durch Fachgruppen unterstützt. Bisher wurden Fachgruppen für Bohnen und Tomaten (bei letztere bin auch ich involviert) eingerichtet. Die Fachgruppen werden den Erhalterringen z.B. Tips für die Saatgutproduktion und die Kulturführung sowie einfache Boniturbögen zur Verfügung stellen. Saatgutreserven werden z.B. von der Fachgruppe Tomaten zentral als Backup gelagert.  Weiterlesen