Archiv für den Monat Januar 2018

Erhalter-Ringe für Tomaten und Bohnen: engagierte GärtnerInnen gesucht

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Ringe sind nicht nur schön. Fotoquelle Pixabay.


Der Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt (VEN) ist gerade dabei sein Konzept für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt zu überarbeiten. Das bisherige System war ein Patensystem in dem bestimmte besonders wertvolle Sorten einzelnen Paten zur Erhaltung übergeben wurden. Dadurch lastete die Verantwortung für die Erhaltung einer Sorte überwiegend auf einer einzelnen Person. Nun hat der VEN ein neues Erhaltungskonzept eingeführt: Erhalter-Ringe. In Erhalter-Ringen kümmern sich mehrere Gärtnerinnen um jeweils eine Sorte. Falls jemand mal keine gute Samenernte hat oder aus vielfaltigen Gründen ein Jahr den Anbau aussetzen muss, dann gibt es immer noch andere Erhalter, die Saatgut produzieren. Der VEN startet mit Erhalterringen zu Tomaten und Bohnen, da hier der Samenbau kaum von der normalen Nutzung in Garten und Küche abweicht. Bei diesen Kulturen – Bohnen und Tomaten sind einjährig und überwiegend selbstbefruchtend – lässt sich der Samenbau leicht in den gärtnerischen Alltag integrieren (anders als bei Fremdbefruchtern und mehrjährigen Kulturen) und ist auch ohne Kenntisse auf Profi-Level möglich.

Die Ringe sollten sich prinzipiell dezentral organisieren, werden aber vom VEN in ihrer Arbeit durch Fachgruppen unterstützt. Bisher wurden Fachgruppen für Bohnen und Tomaten (bei letztere bin auch ich involviert) eingerichtet. Die Fachgruppen werden den Erhalterringen z.B. Tips für die Saatgutproduktion und die Kulturführung sowie einfache Boniturbögen zur Verfügung stellen. Saatgutreserven werden z.B. von der Fachgruppe Tomaten zentral als Backup gelagert.  Weiterlesen

Reduktion und Infusion von Vielfalt: dialektische Evolution der Kulturpflanzen

Foto Links: Tomaten-Vielfalt. Autor des Fotos ist das Informations- und Koordinationszentrum für Biologische Vielfalt (IBV) der BLE, Quelle Wikipedia.


Wo man auch hinsieht überall gibt es Lobgesänge auf die Vielfalt und insbesondere die biologische Vielfalt. Biologische Vielfalt sei die Grundlage für natürliche Ökosysteme, für Agrarsysteme, unsere Lebensmittel und damit das menschliche Leben und die gesamte Gesellschaft überhaupt. Ich selbst engagiere mich im VEN für die Erhaltung der Kulturpflanzenvielfalt und arbeite im Rahmen eines Projektes an der Universität Kassel, welches sich der Frage widmet, wie man wieder mehr Kulturpflanzenvielfalt in die Landwirtschaft integrieren kann. Ich bin durchaus überzeugt, dass diese Engagements Sinn machen aber trotzdem, ich komme nicht darum herum diese kritische Frage zu stellen: Ist die biologische Vielfalt – insbesondere bei den Kulturpflanzen – tatsächlich so zentral wie es scheint?

Biologische Vielfalt als gesellschaftliches Phänomen und Brückenkonzept

Die enorme Bedeutung der biologischen Vielfalt in der gesellschaftlichen Debatte sollte hellhörig machen. Ein kritischer Betrachter kann – selbst wenn er wie ich ein Faible für die Kulturpflanzenvielfalt hat – dies nicht einfach als gegeben hinnehmen.

Die kritischen qualitativen Sozialwissenschaften bieten hier sehr hilfreiche Einsichten. Diese haben nämlich Konzepte entwickelt, um solche gesellschaftliche Debatten kritisch zu hinterfragen, bzw. wie der geneigte Sozialwissenschaftler sagen würde, diese zu „dekonstruieren“. Weiterlesen