Über Bio-Kultur und Johannes Timaeus

Ich bin Biologe und meine Expertise liegt im Bereich Ökologie und Vielfalt der Kulturpflanzen als Grundlage für eine ökologische oder sogar regenerative Landwirtschaft. Kulturpflanzenökologie und (neue) Kulturpflanzengemeinschaften sind deshalb der konzeptionelle Rahmen meiner derzeitigen Arbeit. Konkret arbeite ich experimentell an Mischkulturen aus Weizen und Erbsen sowie an Methoden zur ökologischen Züchtung beim Weizen. Im Kern geht es darum, ökologische Wechselwirkungen nutzbar zu machen, um die Ressourceneffizienz in der Landwirtschaft zu erhöhen bzw. wichtige Ressourcen zu erneuern. Ein weiterer Aspekt meiner Arbeit sind Änderungen in der Wertschöpfungskette und der eingesetzten Technologie, z.B. bei der Trennung von Mischungen. Dies ist ein interessanter Bereich für gekoppelter Innovationen entlang der Wertschöpfungskette.

Mein Weg zu den Kulturpflanzen: Göttingen, Leipzig, Witzenhausen

Begonnen hat mein Weg mit einem Studium der Biologie in Göttingen. Durch meine Abschlussarbeit in der Abteilung Agrarökologie bin ich zum ersten mal stärker mit landwirtschaftlichen Themen in Berührung gekommen. Danach hat mich mein Weg nach Leipzig an das Helmholtz-Zentrum für Umweltforschung (UFZ) geführt. Dort haben wir an der Schnittestelle zwischen Biodiversitätsforschung und Politik gearbeitet.

Zum praktischen Gärtnern, den Kulturpflanzen und den politischen Aspekten der Landwirtschaft bin ich durch die community des Leipziger Gemeinschaftsgarten Querbeet gekommen. Ein weiterer wichtiger Schritt für mich war (und ist immer noch) der Austausch und die Zusammenarbeit mit vielen Menschen im Verein zur Erhaltung der Nutzpflanzenvielfalt,  insbesondere im Rahmen der Erhalterringe und in der Fachgruppe für Tomaten. Eine nochmal starke wissenschaftlichen Blick auf die Kulturpflanzen ermöglichen mir Prof. Maria R. Finckh und viele engagierten Kolleg*innen in dem Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz (Universität Kassel) in Witzenhausen. Hier arbeite ich derzeit als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Rahmen einer Promotion im Rahmen des EU-Projektes Remix. Remix ist Teil des Crop Diversification Clusters, einem Zusammenschluss verschiedener EU-Projekte, die Diversifizierungsstrategien im Pflanzenbau erforschen. Weitere Infos zu meiner Forschung findet man bei Researchgate oder google.scholar.

Kulturpflanzen: Ökologie, Biologie, Technologie und Gesellschaft

Die Ergänzung der biologischen um eine ökologische Perspektive ist grundelegend aber unzureichend. Kultur-Pflanzen sind das Produkt sowohl natürlicher Prozesse als auch menschlichen Handelns (der Züchtung) und menschlicher Kultur, Technologie und Wirtschaft. Ein gutes Beispiel ist die Evolution, Vielfalt und Kultur von Chilis. An der Genome-Editing-Debatte spiegelt sich Beispielhaft die Verflechtung von Pflanzenbiologie, Wissenschaft und gesellschaftlichen Kontroversen. Ich bin klar gegen zwei extreme Standpunkte:

  1. Eine pauschal technologie- und wissenschaftskritische Position, die absolut ablehnend ist gegenüber modernen computergestützten (z.B. data science und Modellierung) und molekularbiologischen Methoden. Solche Positionen sind oft verknüpft mit einem starken Verweis auf die Natürlichkeit als positiven Referenzpunkt.
  2. Technologie-imperative Positionen, die behaupten, aufgrund bestimmter Herausforderungen (z.B. Klimawandel) ergebe sich die Notwendigkeit, bestimmte Technologien nutzen zu müssen (z.B. Genome Editing).

Gesellschaften müssen offen sein sich zu verändern. Gleichzeitig dürfen kulturelle Werte nicht einfach übergangen werden. Aufgrund der ökologischen Situation unseres Planeten (Klimawandel, Bevölkerungsgröße etc.) ist für mich eine (1) ökologische Betrachtung von Kulturpflanzen zentral, die neben (2) biologisch-genetischen, (3) technologischen und (4) gesellschaftlichen Aspekten stehen muss.

Was mich momentan begeistert und fordert

…ist das die Datenvisualisierung, z.B. mit ggplot2 (einem Paket in der Statistiksprache R).

Das „Herumbasteln“ mit moderner IT beschäftigt mich zunehmend. Ich habe mir vor kurzem mein eigenes Cloudsystem mit NextCloud und einem Raspberry Pi aufgesetzt. Eine Anleitung dazu gibt es bei Heise. Raspberry Pies lassen sich auch für die wissenschaftliche Beobachtung (Phänotypisierung) von Pflanzen (Tovar et al. 2018) oder zur Steuerung der Bewässerung einsetzen.

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