Archiv für den Monat November 2016

EU-Recht untersagt Patentierung konventionell gezüchteter Pflanzen und Tiere

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Foto: Auf dem Tisch sieht man die Chilivielfalt, die wir im Sommer 2015 in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet gezüchtet haben.

Seit einiger Zeit melden Agrarkonzerne in der EU erfolgreich Patente auf Nutzpflanzen, wie Tomaten und Brokkoli an, die durch konventionelle Züchtung erzeugt wurden. Konventionelle Züchtung bezeichnet die Beschränkung bei der Zucht auf Selektion und Kreuzung und den Verzicht auf gentechnischer Eingriffe. Ein aktuelles Beispiele ist der Versuch des Bierbrauers Carlsberg Patente für Gerstensorten anzumelden. Bisher hat das Europäische Patentamt das EU Patentrecht so interpretiert, dass auch durch konventionelle Züchtung („im Wesentlichen biologische Verfahren“) erzeugte Nutzpflanzen, patentiert werden dürfen. Die Europäische Kommission hat jetzt öffentlich Stellung bezogen und vertritt die Auffassung, dass Organismen, die durch im wesentlichen biologische Verfahren erzeugt wurden, nicht patentiert werden dürfen. Weiterlesen

Open Source Saatgut für Europa? News aus der Saatgut-Szene

bildschirmfoto-2016-06-09-um-00-22-28Bild links: Das Logo der Open Source Initiative. Von Simon Phipps, ehemaliger Präsident von OSI,  Quelle Wikipedia.


Hier möchte ich  ein Paar News aus der Open Source-Saatgut Szene teilen, die mir zu Ohr gekommen sind und es sehr wert sind mit der Welt geteilt zu werden.

Seit längerer Zeit gibt es mit der Open Source Seed Initiative in den USA eine Bewegung, die auf professioneller Ebene ein alternatives Modell zur zunehmenden Privatisierung des Saatgutes entwickelt (z.B. in Luby et al. 2015). Auch in Deutschland setzen sich Initiativen wie Kultursaat für alternative Modelle ein. Wie Jack Kloppenburg von OSSI in einem Blogbeitrag berichtet, war er vor kurzem auf einem Treffen auf dem deutschen Hofgut Rengoldshausen, welches sich mit dem Thema Saatgut als Gemeingut beschäftigte und von Agrecol organisiert wurde. Mitglieder von Agrecol arbeiten seit einiger Zeit an Modellen einer Art Open Source Lizenz für Saatgut in Europa. Bisher allerdings scheint es in der europäischen Szene keinen Konsens über ein einheitliches Modell zu geben. Im Herbst 2017 wird von Agrecol ein weiteres Treffen zu diesem Thema organisiert. Weiterlesen

Neue biologische Vielfalt und neue Ökosysteme: ein Blick auf die positiven Aspekte von Neobiota

sommerfliederEin Monarchfalter auf einer Sommerfliederblüte. Foto von Lynn M Kimmerle, Quelle Wikipedia.


Oft wird von Menschen, die sich mit Ökologie, biologischer Vielfalt oder Umweltschutz beschäftigen Neues mit Schlechtem gleichgesetzt. Dies gilt z.B. auch für zugewanderte Arten, die sogenannten Neobiota. Diesen werden in Naturschutzkreisen überwiegend schlechte Eigenschaften zugeschrieben: sie verdrängen ortsansässige Arten, destabilisieren Ökosysteme, erzeugen hohe Kosten durch deren Bekämpfung oder fördern die Bodenerosion. Und in der Tat es gibt einige Neobiota, die sich massiv ausbreiten und enorme Schäden erzeugen. Neobiota, die starke negative Einflüsse auf einheimische Arten und lokale Ökosysteme haben, werden als invasive Arten bezeichnet. Ein Großteil der Neobiota hat allerdings keine negativen Auswirkungen. Nach Deutschland wurden z.B. nach den Angaben des Bundesamtes für Naturschutz 12 000 Gefäßpflanzen eingebracht von denen nur 30 einen invasiven Charakter haben (BfN 2005). Dies entspricht gerade einmal einem Anteil von 0,25%.

Man kann aber noch einen Schritt weiter denken. Wie sieht es denn mit den positiven Wirkungen eingewanderter Arten aus? Diese Frage wird scheinbar nicht so oft gestellt. An dieser Stelle möchte ich mal eine andere Perspektive einbringen und danach Fragen, welche positiven Konsequenzen sogenannte Neobiota haben können. Dabei möchte ich keinesfalls die negativen Folgen invasiver Arten relativieren, aber eben den Blick auf einen anderen Aspekt richten. Weiterlesen

Ermöglichen Genome Editing und Big Data digitale Biopiraterie?

_enola__bean_4_3887465932Foto links: Die Enola Bohne, eine Variante der mexikanischen gelben Bohne. Foto von CIAT, Quelle Wikipedia.


In den letzten Jahren wurde das sogenannte Nagoya-Protokoll im Rahmen der Biodiversitätskonvention etabliert, welches zum Ziel hatte, die einseitige Ausbeutung biologischer Vielfalt als Ressource für biomedizinische, agrarwirtschaftliche und biotechnologische Zwecke zu begrenzen. Die wirtschaftlichen Vorteile, die sich aus der biologischen Vielfalt ergeben, sollten geteilt werden zwischen den Firmen, die neue Produkte entwerfen, und den Bewohnern der Ursprungsländer der biologischen Vielfalt. Dies sollte eine neue Form des Kolonialismus, den man als Biokolonalismus bezeichnen könnte, verhindern. Weiterlesen