Neue Kulturpflanzengemeinschaften und neue Mischkultursysteme für eine regenerative Landwirtschaft?

Die Frucht der Haselnuss Corylus avellana: ein möglicher Kandidat für neue Kulturpflanzengemeinschaften und Agroforstsysteme. Autor Vassil, Quelle Wikipedia.


Wenn es in der Landwirtschaft um neue Technologien geht, dann denkt man meist an modernste satellitengesteuerte, sensorbestückte und cloud-integrierte Traktoren oder Drescher. Oder aber es kommen die neuen Züchtungsmethoden aka Crispr-Cas und Genome Editing ins Spiel. Hier möchte ich einen etwas anderen Ansatz vorstellen, der seinen Dreh- und Angelpunkt in den Kulturpflanzen-Arten und ihrer Ökologie hat, aber auch offen ist für moderne Technologien. Die Natur und natürliche Ökosysteme als alleinige Referenzpunkte für eine ökologische Landwirtschaft sind vollkommen unzureichend. Der hier vorgestellte Ansatz beginnt bei traditionellen Pflanzenbausystemen, denkt diese aber radikal weiter. Mein Ausgangspunkt sind die weithin bekannten Mischkulturen, wie sie in tropischen und kleinbäuerlichen Landwirtschaften immer noch üblich sind. Mischkulturen sind außerdem Standard in vielen Hobbygärten, im intensiven kleinräumigen Gemüsebau (market gardening), aber auch im ökologischen Futterbau (Erbsen-Gerste/Roggen; Kleegras) oder der Grünlandwirtschaft.

Mischkulturen aus Leguminosen und Getreiden gibt es sehr wahrscheinlich seit Anbeginn der Landwirtschaft im fruchtbaren Halbmond. Hier wurden Getreide (Weizen, Gerste) gemeinsam mit Erbsen und Linsen domestiziert. Auch sogenannte Agroforstsysteme sind Mischkulturen und haben eine lange Tradition in den Tropen und den gemäßigten Breiten (Eichhorn et al., 2006). Allerdings ist vielen dieser Systeme gemein, dass sie im Rahmen einer modernen Landwirtschaft vernachlässigt und nicht weiterentwickelt wurden. Mischkulturen haben bisher nur einen Platz in den oben genannten Nischen. Jenseits dieser Nischen werden Mischkultursysteme als unproduktive Relikte einer überkommenen Form der Landwirtschaft betrachtet. Sie stehen im Widerspruch zur Rationalisierung und Spezialisierung in der Landwirtschaft. Einige von ihnen werden allenfalls durch den Tropf von Subventionen und als Naturschutzmaßnahmen erhalten, wie die weithin bekannten Streuobstwiesen. Die Züchtung von Obst und Nussbäumen, die Entwicklung von Baumschnitt-Techniken oder auch die Aussaat und Ernteaufbereitungstechnik von Ackerkulturen werden auf Monokulturen hin optimiert. Mischkulturen, wie die Gemenge im Ackerbau oder Agroforstsysteme werden nicht oder nur mit geringen Ressourcen weiterentwickelt. Es fehlt also die Entwicklung neuer bzw. modernisierter Mischkulturen. Für die Entwicklung neuer bzw. erneuerter Mischkulturen ist meiner Meinung nach ein systematischer, wissenschaftlich fundierter und kulturgesellschaftlich reflektierter Ansatz notwendig. Ein grundlegender Schritt in diese Richtung ist es, den zentralen Gegenstand einer solchen Entwicklung genauer zu bestimmen.

Mischkulturen: nur Artenmischungen?

Der Begriff der Mischkultur ist leider stark unterbestimmt und zwar sowohl in der Sprache der Laien als auch der ökologischen und landwirtschaftlichen Literatur. In der Regel läuft es darauf hinaus, dass man mit Mischkulturen die Kombination mindestens zweier Kulturpflanzenarten auf einem Acker oder in einem Beet meint, die durch ihre raum-zeitliche Überlappung miteinander interagieren (Vandermeer, 1992). Dies klingt zwar wissenschaftlich hochgestochen, ist aber leider absolut unzureichend für eine systematische und kulturell reflektierte Weiterentwicklung von Mischkulturen. Auch die Einteilung in verschiedene Kategorien z.B. relay cropping (zeitlich versetzte Kulturen), strip cropping (Kulturen in Streifen), mixed cropping (total durchmischte Kulturen), dringt nicht tief genug in die Natur der Mischkulturen vor.

Kulturpflanzengemeinschaften und Kulturpflanzenökologie

Ein wichtiger Referenzpunkt für Mischkulturen ist natürlich die Pflanzenökologie. Gliessmann bezieht sich bei der Diskussion von Mischkulturen explizit auf die sogenannte community ecology (Gliessman, 1987). Diese fokussiert auf die Interaktion von Tier und Pflanzenarten und die daraus resultierenden emergenten Effekte in den Tier- und Pflanzengemeinschaften und ermöglicht es diese Effekte in der Landwirtschaft zu berücksichtigen. Gliessmann spricht explizit von „crop communities“  als Gegenstand landwirtschaftlichen Managements (Gliessman, 1987, S. 161). Für „ crop communities“ wähle ich hier die Übersetzung Kulturpflanzengemeinschaften. Dies lenkt die Aufmerksamkeit in eine interessante Richtung. Pflanzengemeinschaften sind nicht einfach reine „Mischungen“ sondern werden durch die Interaktion der Pflanzen miteinander und mit der Umwelt geformt. Diese Interaktionen wiederum sind einerseits in den natürlichen ökologischen Anpassungen der wilden Vorfahren unserer Kulturpflanzenarten aber auch in den züchterischen Anpassungen begründet. Wenn man Kulturpflanzen mischt, die kontrastierende Strategien bezüglich bestimmter ökologischer Faktoren haben, ergeben sich hieraus ganz spezifische Interaktionen und Effekte. Mit am besten untersucht sind die Interaktionen von Leguminosen und Getreiden, die stark kontrastierende Stickstoffaneignungsstrategien besitzen. Getreide sind sehr effizient und konkurrenzstark bei der Aufnahme von Bodenstickstoff, während Leguminosen diese Konkurrenz durch die Fixierung von Luftstickstoff teilweise umgehen. Dies führt zu einer Reihe von interessanten Effekten, wie einem erhöhten Proteingehalt von Weizen in Mischungen im Verhältnis zur Weizenmonokultur oder einer starken Unkrautunterdrückung von Erbsenmischungen im Verhältnis zur Erbsenmonokultur. Der Blick auf die spezifische Ökologie der Kulturpflanzen und wie diese die Interaktion der Kulturpflanzen beeinflusst und welche Effekte dies wiederum auf die Pflanzen hat, wird durch das Konzept der Kulturpflanzengemeinschaft forciert. Es weitet den Blick auf eine vernachlässigte Kulturpflanzenökologie. Diese Interaktionen lassen sich natürlich strategisch nutzen, und zwar nur in Mischkulturen.

Ein weiterer kritischer Aspekt von Kulturpflanzengemeinschaften ist, dass sie ihre eigene Umwelt und damit auch ihr eigenes Habitat beeinflussen. Pflanzen tragen in erheblichem Maße zur Bodenbildung bei und schaffen damit also teilweise ihren eigenen Lebensraum für ihre Wurzeln. Ein weiterer hochgestochener – aber auch sehr treffender – Begriff aus der Ökologie dafür ist die sogenannte Nischenkonstruktion (Laland et al., 2016). Die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften kann erheblichen Einfluss auf den Boden und die Bodenorganismen sowie die ökologischen Prozesse im Boden haben (Bardgett, 2005, p. 86 ff.). Ein ebenso zentraler Aspekt ist die Beeinflussung des Wasserkreislaufes durch Kulturpflanzengemeinschaften (siehe weiter unten), z.B. durch den sogenannten hydraulischen Lift. Auch hier lassen sich die Effekte von Interaktionen zwischen Kulturpflanzen in der Landwirtschaft strategisch nutzen.

Der Begriff der Kulturpflanzengemeinschaften vertieft den Blick auf Mischkulturen als bio-ökologische Phänomene und macht sie zum Gegenstand einer Kulturpflanzenökologie.

Mischkulturen im gesellschaftlichen Kontext: Mischkultursysteme

Auf der anderen Seite stehen Kulturpflanzengemeinschaften durch ihre Nutzung immer im Kontext einer menschlichen Ökonomie, Kultur und Technologie und werden durch diese bestimmt. Eine rein bioökologische Betrachtung von Mischkulturen ist innerhalb von Forschungsprojekten durchaus sinnvoll, aber für ihre strategische Entwicklung vollkommen ungenügend. Wenn Mischkulturen ein aktiver Teil menschlicher Gesellschaft sein sollen, müssen sie gesellschaftliche Funktionen erfüllen. Die fundamentalste Funktion auch von Mischkulturen ist sicherlich die Produktionsfunktion für landwirtschaftliche Güter. Diese wird in erheblichem Maße durch landwirtschaftliche Märkte, Konsumentennachfrage und große Unternehmen beeinflusst. Aber Kulturpflanzengemeinschaften können auch identitätsstiftend sein und fundamentale gesellschaftliche Werte zum Ausdruck bringen. Hieraus folgt, dass man bei der Entwicklung neuer oder angepasster Kulturpflanzengemeinschaften berücksichtigen muss, ob zentrale Wertvorstellungen in einer Gesellschaft tangiert werden. Vielleicht eignet sich z.B. eine bestimmte stickstofffixierende Baumart ganz hervorragend für eine neues Agroforstsystem, aber gehört nicht in das regionale Landschaftsbild, hat invasives Potential und könnte regional vorkommende Pflanzen verdrängen.

Damit Mischkulturen gesellschaftliche Funktionen wahrnehmen können, müssen sie technologisch eingebettet werden. In der Landwirtschaft bedeutet dies Kompatibilität mit Aussaat-, Ernte- und Aufarbeitungstechnik. Für manche Mischkulturen, wie Ackerkulturen für Lebensmittel (Backweizen in Mischung mit Erbse), ergibt sich z.B. die „Trennherausforderung“, auf die ich an anderer Stelle eingehe. Ohne technologische Einbettung können Mischkulturen keine gesellschaftliche Funktion übernehmen.

Der Begriff Mischkultursysteme ergänzt den Begriff Kulturpflanzengemeinschaften um diese breitere Perspektive. Mischkulturen sind in Systemen strukturiert, die ökologische, ökonomische, kulturelle und technologische Aspekte haben.

Verbreitung der Haselnuss Corylus avellana in Europa. CCA 4.0. Autoren: Caudullo, et al. 2017. Quelle Wikipedia.

Neue Kulturpflanzengemeinschaften für eine regenerative Landwirtschaft?

Landwirtschaft macht bezüglich der Fläche, vor allem aber bezüglich der produzierten Biomasse einen erheblichen Teil unseres planetaren Ökosystems aus. Deshalb ist es unabdingbar, dass landwirtschaftliche Systeme auch ökologische Funktionen übernehmen und nicht nur den Hunger, die Marktnachfrage und kulturelle Bedürfnisse stillen oder technologische Erfordernisse erfüllen. Bisher wurde meist die Anforderung an die Landwirtschaft erhoben, nachhaltig zu sein. Wenn landwirtschaftliche Systeme aber ökologische Funktionen auf unserem Planeten übernehmen sollen, könnte dies ungenügend sein. Genau dies kommt in dem Konzept der regenerativen Landwirtschaft zum Ausdruck. Hier geht es nicht nur darum, natürliche Ressourcen zu erhalten, sondern diese zu erneuern und aufzubauen (Rhodes, 2017). Die regenerative Landwirtschaft grenzt sich damit durch einen höheren Anspruch im Vergleich zur nachhaltigen Landwirtschaft ab.

Der Anspruch der regenerativen Landwirtschaft ist verwegen, aber in Anbetracht des Zustands unseres Planeten richtig. Vielleicht wird sich die Landwirtschaft fundamental ändern und ökologische Funktionen im Sinne der regenerativen Landwirtschaft übernehmen müssen. Ein Aspekt einer regenerativen Landwirtschaft könnte die Entwicklung von Kulturpflanzengemeinschaften sein, die regenerative Funktionen bezüglich Boden, Nährstoff- und Wasserkreislauf erfüllen. Im diesem Fall könnte man von regenerativen Kulturpflanzengemeinschaften sprechen.

Neue Kulturpflanzengemeinschaften, können neue Kombinationen von Kulturpflanzenarten oder neue Sortenkombinationen innerhalb von Kulturpflanzengemeinschaften sein, die es so nicht an einem bestimmten Ort oder überhaupt noch gar nicht gibt. In jedem Fall sind sie das Ergebnis aktiven Experimentierens und Forschens.

Eine strategische Entwicklungspipeline für neue Kulturpflanzengemeinschaften und Mischkultursysteme

Für die Entwicklung neuer Kulturpflanzengemeinschaften braucht es ein strategisches Vorgehen. An dieser Stelle kann sich die ökologische Landwirtschaft und die Agrarökologie als wissenschaftliche Disziplin eine dicke Scheibe von der IT-Industrie und der Autoindustrie abschneiden. IT-Systeme, moderne Automobile und Kulturpflanzengemeinschaften sind unzweifelhaft komplexe Systeme. Wie entwickelt man effizient und zielgerichtet neue komplexe Systeme? Wie setzt man dafür effektiv neue Methoden der Molekulargenetik und der sogenannten Data Science ein? Wie verbindet man diese Ansätze mit Feld- und Gewächshausexperimenten? Wie untersucht man ökologische Interaktionen in Mischkulturen? Wie gestaltet man einen reibungslosen und gleichzeitig kreativen arbeitsteiligen Prozess zwischen Feld, IT und Labor? Zusammengefasst: Wie baut man eine kreative und effiziente Entwicklungspipeline für neue Mischkultursysteme auf?

Einen ersten ganz groben Vorschlag habe ich hier verschriftlicht. Dabei werden im Wechsel die Ebenen der Kulturpflanzengemeinschaften und des breiteren Mischkultursystems adressiert.

1. Kreative und reflektierende Phase: Suchen nach und Entwerfen von neuen vielversprechenden Kulturpflanzengemeinschaften. Die Ideen können aus traditionellen Systemen und der aktuellen Praxis kommen oder vollkommen neu sein.

  • Die Artenkombinationen sollten möglichst zielgerichtet auf mögliche positive Interaktionen (Bodenregeneration, Wasserretention, Ressourcenkomplementarität, Kletterpartner etc.), drängende Probleme in der Landwirtschaft oder grundlegende Forschungsfragen ausgerichtet sein (siehe unten).
  • Der gesellschaftliche Kontext sollte reflektiert werden. Gibt es grundlegende kulturelle Werte, die verletzt werden könnten? Oder gibt es eher nur ein „Geschmacks-“ und Nachfrageproblem, die sich adressieren lassen? Gibt es bestehende oder potentielle Märkte für die resultierenden Produkte? Hier bewegt man sich wieder auf der Ebene des Mischkultursystems.

2. Experimentelle Phase:

  • Screening von Kulturpflanzenarten, Sorten und exotischem genetischen Material mittels phänotypischer ökologischer, agronomischer und genetischer Methoden in Kulturpflanzengemeinschaften.
  • Testen verschiedener Managementpraktiken und landwirtschaftlicher Technik im Feld (Mischkultursystem).

3. Anknüpfung an die Wertschöpfungskette: Testen und Erkunden von Möglichkeiten, die Produkte in hoher Qualität aufzubereiten und zu vermarkten (Ebene des Mischkultursystems).

 

Forschungsthemen für neue Kulturpflanzengemeinschaften am Beispiel Agroforst

Entlang der Entwicklung neuer Kulturpflanzengemeinschaften und Mischkultursysteme, die den Ansprüchen einer ökologischen oder regenerativen Landwirtschaft gerecht werden sollen, ergeben sich eine Reihe spannender Forschungsbereiche. Für Agroforstsysteme (AFS), als einem besonderen Typ von Kulturpflanzengemeinschaften, ergeben sich folgend denkbare Forschungsthemen:

  • Schließen von Wasser- und Nährstoffkreisläufen und Beeinflussung des Mikroklimas: Vegetationselemente wie Bäume in Agroforstsysteme können erhebliche positive Effekte auf den Wasserkreislauf und Wasserretention (Ryan et al., 2010), den Stickstoffkreislauf (Udawatta et al., 2010; Wolz et al., 2018a) und die oberirdische Kohlenstoffspeicherung (Feliciano et al., 2018) haben. Der sogenannte hydraulische Lift (eine Art biologische Wasserpumpe), kann Wasser aus tieferen Bodenregionen für flachwurzelnde Pflanzen nutzbar machen (Caldwell et al., 1998). Möglicherweise lässt sich die Baumdichte für eine maximale Erneuerung des Grundwassers optimieren (Ellison et al., 2017). Stickstofffixierende Bäume stellen ebenfalls eine interessante Option in Agroforstsystemen dar (Pawlowski and Demchenko, 2012). Wie funktionieren Wasser- und Nährstoffkreisläufe in Agroforstsystemen und wie lassen sich diese optimieren?
  • Wechselwirkung von Agroforstsystemen mit dem System Boden und der Bodenfruchtbarkeit: Die Zusammensetzung von Pflanzengemeinschaften hat einen erheblichen Einfluss auf die Bodenorganismen und damit auf die Bodenfruchtbarkeit (Bardgett, 2005, p. 86 ff.).  Entsprechend sollten in AFS die Wechselwirkungen zwischen Zusammensetzung/Diversität der Kulturpflanzen, Diversität der Bodenorganismen mit der Bodenfruchtbarkeit erforscht werden.
  • Erschließung von Baum- und Kulturpflanzenvielfalt für Agroforstsysteme: Für neue AFS können sich neue Erfordernisse an die Eigenschaften der Bäume ergeben. Hier bietet sich eine Sichtung genetischen Materials für ihre Eignung in Agroforstsystemen und als Grundlage für ihre Züchtung an. Dies gilt insbesondere für wertvolle Kulturen wie Nussgehölzen (Hasel, Walnuss, Esskastanien) (Botta et al., 2019; Wolz et al., 2018b) oder Obstbäumen.
  • Moderne Agroforstsysteme für Lebensmittelproduktion: In den USA werden Agroforstsysteme für die Lebensmittelproduktion erforscht und als vielversprechend angesehen (Lovell et al., 2018). Die Integration und Interaktion von Nuss und Obstbäumen mit Acker/Grünland-Kulturen (intensiver Agroforst für Lebensmittel) kann ein fruchtbares Forschungsfeld sein. Die Haselnuss könnte aufgrund ihrer für Bäume recht kurzen Generationszeit und der guten Anpassung an das europäische Klima ein interessanter Modell-Baum für die Forschung werden (Botta et al., 2019).
  • Agroforstsysteme und Tierwohl und Tiergesundheit: Der Einfluss von Agroforstsystemen auf Tiergesundheit und Tierwohl ist ebenfalls ein spannendes Feld, z.B. im Bereich der Geflügelhaltung.
  • Stabilität und Resilienz von Ertrag, Produkt-Qualität und Bodenfruchtbarkeit bezüglich verschiedener Stressparameter (Hitze, Trockenheit, Starkregenereignisse)
  • Entwicklung und Verknüpfung neuer analytischer Methoden im Bereich Agroforst: Etablierung neuer experimenteller Systeme und Verknüpfung mit Data Science, Hochdurchsatz-Phänotypisierung und molekulargenetischer Methoden, z.B. genotyping-by-sequencing.
  • Optimierung der Umsetzung auf Betriebs- und Landschaftsebene: Agroforstsysteme können auf verschiedenen räumlichen Skalen umgesetzt werden, die von verschiedenen Akteuren gestaltet werden. Dazu gehört die Ebene des landwirtschaftlichen Schlages (innerbetriebliche Organisation) und der Landschaft (beeinflusst durch überbetriebliche und politische Faktoren). Insbesondere auf der Ebene der Europäischen Union gibt es vielversprechende Untersuchungen zu positiven Effekten von AFS auf Landschaftsebene (Kay et al., 2019). Welche Bedingungen müssen erfüllt sein, damit AFS im  landwirtschaftlicher Betriebe und/oder auf der Landschaftsebene Eingang in die Praxis finden? Welche Methoden und Planungsinstrumente müssen hier entwickelt werden?

Forschungsinfrastruktur und Finanzierung für die Entwicklung neuer Kulturpflanzengemeinschaften

Und zum Schluss kommt natürlich der Knackpunkt. Wie finanziert man das Ganze und woher kommt die Infrastruktur für ein solches Vorhaben? Eine strategische Entwicklungspipeline erfordert auch eine systematische Finanzierung. Zum Teil ließen sich sicherlich bestehende experimentelle Einrichtungen wie die Versuchsgüter verschiedener Universitäten und deren Labore nutzen. Allerdings dürfte dies mittelfristig ungenügend sein. Insbesondere experimentelle Forschung im Bereich Agroforst, die sich jenseits von Kurzumtriebsplantagen bewegt, ist meines Wissens nach bisher in Europa kaum existent (in Frankreich gibt es eine Einrichtung in diesem Bereich, siehe Lovell et al 2018). Neben dem öffentlichen Sektor könnten Mischkultursysteme auch für Unternehmen interessant werden, durch die Entwicklung neuer Sorten (Züchtung), neuer Agrartechnik (stahlbasiert und IT-basiert) sowie neuer biotechnischer und mikrobiologischer Methoden (Herstellung von Fermenten, Bodendiagnostik).

Literatur

Bardgett, R., 2005. The biology of soil: a community and ecosystem approach. Oxford university press.

Botta, R., Molnar, T.J., Erdogan, V., Valentini, N., Marinoni, D.T., Mehlenbacher, S.A., 2019. Hazelnut (Corylus spp.) Breeding, in: Advances in Plant Breeding Strategies: Nut and Beverage Crops. Springer, pp. 157–219.

Caldwell, M.M., Dawson, T.E., Richards, J.H., 1998. Hydraulic lift: consequences of water efflux from the roots of plants. Oecologia 113, 151–161.

Eichhorn, M.P., Paris, P., Herzog, F., Incoll, L.D., Liagre, F., Mantzanas, K., Mayus, M., Moreno, G., Papanastasis, V.P., Pilbeam, D.J., 2006. Silvoarable systems in Europe–past, present and future prospects. Agrofor. Syst. 67, 29–50.

Ellison, D., Morris, C.E., Locatelli, B., Sheil, D., Cohen, J., Murdiyarso, D., Gutierrez, V., Van Noordwijk, M., Creed, I.F., Pokorny, J., 2017. Trees, forests and water: Cool insights for a hot world. Glob. Environ. Change 43, 51–61.

Feliciano, D., Ledo, A., Hillier, J., Nayak, D.R., 2018. Which agroforestry options give the greatest soil and above ground carbon benefits in different world regions? Agric. Ecosyst. Environ. 254, 117–129.

Gliessman, S.R., 1987. Species interactions and community ecology in low external-input agriculture. Am. J. Altern. Agric. 2, 160–165. https://doi.org/10.1017/S0889189300009279

Kay, S., Graves, A., Palma, J.H., Moreno, G., Roces-Díaz, J.V., Aviron, S., Chouvardas, D., Crous-Duran, J., Ferreiro-Domínguez, N., de Jalón, S.G., 2019. Agroforestry is paying off–Economic evaluation of ecosystem services in European landscapes with and without agroforestry systems. Ecosyst. Serv. 36, 100896.

Laland, K., Matthews, B., Feldman, M.W., 2016. An introduction to niche construction theory. Evol. Ecol. 30, 191–202.

Lovell, S.T., Dupraz, C., Gold, M., Jose, S., Revord, R., Stanek, E., Wolz, K.J., 2018. Temperate agroforestry research: considering multifunctional woody polycultures and the design of long-term field trials. Agrofor. Syst. 92, 1397–1415.

Pawlowski, K., Demchenko, K.N., 2012. The diversity of actinorhizal symbiosis. Protoplasma 249, 967–979.

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Ryan, J.G., McAlpine, C.A., Ludwig, J.A., 2010. Integrated vegetation designs for enhancing water retention and recycling in agroecosystems. Landsc. Ecol. 25, 1277–1288.

Udawatta, R.P., Garrett, H.E., Kallenbach, R.L., 2010. Agroforestry and grass buffer effects on water quality in grazed pastures. Agrofor. Syst. 79, 81–87.

Vandermeer, J.H., 1992. The ecology of intercropping. Cambridge University Press.

Wolz, K.J., Branham, B.E., DeLucia, E.H., 2018a. Reduced nitrogen losses after conversion of row crop agriculture to alley cropping with mixed fruit and nut trees. Agric. Ecosyst. Environ. 258, 172–181.

Wolz, K.J., Lovell, S.T., Branham, B.E., Eddy, W.C., Keeley, K., Revord, R.S., Wander, M.M., Yang, W.H., DeLucia, E.H., 2018b. Frontiers in alley cropping: Transformative solutions for temperate agriculture. Glob. Change Biol. 24, 883–894.

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