Gewürzanbau in Mischkulturen? Einsichten vom Fachseminar Ökologischer Arznei- und Gewürzpflanzenanbau

Schabziger Klee. Ein Kandidat für eine Mischkultur aus Getreide und Gewürz? Foto von Flyout, CC BY-SA 3.0, Quelle Wikipedia.


Letztes Wochenende war ich in Altenkirchen bei Bonn bei einem Fachseminar zum ökologischen Arznei- und Gewürzpflanzenbau. Organisiert wurde das ganze von Ökoplant und es fand in der Evangelischen Landjugendakademie in Altenkirchen statt. Bei diesem Seminar treffen sich regelmäßig Verarbeiter*innen, Landwirt*innen und auch die Forschung ist hier vertreten, z.B. durch Hanna Blum von der Universität Bonn (Forschungsbereich Nachwachsende Rohstoffe). Hier durfte ich in einer Session zum Gemengeanbau die ersten Ergebnisse aus unseren Mischkultur-Experimenten vorstellen. Einige Landwirte berichteten von ihren sehr umfangreichen Erfahrungen mit dem Anbau und der Trennung von Gemengen. Tendenziell denke ich, dass Gewürze ein spannendes Feld für Mischungen sind, da sie meines Wissens nach relativ hohe Erlöse erzielen und so einen gewissen Mehraufwand bei der Reinigung rechtfertigen können. Extrem interessant war der Vortrag von Peter Heller, der auf seinem Hof (Biohof-Heller) eine komplexe Reinigungs- und Trennanlage aufgebaut hat. Dazu gehören Windsichter, Siebreiniger, Trieur, Gewichtsausleser und Farbausleser (mehr Infos hier).

Allerdings lässt sich bei manchen Mischkulturen die Reinigung auch komplett vermeiden, wenn die Kulturen versetzt geerntet werden. Ein Beispiel ist der Anbau von Winterkümmel als Untersaat in einem Getreide. Dabei wird z.B. erst im Herbst ein Wintergetreide ausgesät und dann im April oder Mai der Winterkümmel in den sich entwickelnden Getreidebestand gedrillt. Die Kümmelpflanzen sollen dann während des Getreidewachstums relativ klein bleiben und wachsen erst nach der Getreideernte in die Höhe. Nach der Getreideernte können sich die Kümmelpflanzen dann entfalten, überwintern und werden dann in der nächsten Saison geerntet. Der Hauptvorteil dieser versetzten Mischkultur (relay cropping) scheint der Schutz vor starker Verunkrautung zu sein, die bei der Kümmelkultur ein Risiko darstellt. Wahrscheinlich füllt das Getreide die Unkrautnische (durch eine effiziente Aufnahme des Bodenstickstoffes) und schützt so den wenig konkurrenzstarken Kümmel gegen Verunkrautung. Weitere Details zum Kümmelanbau findet man hier.

Bei Gewürzen –  insbesondere im Ökobereich – spielt die Qualität der Pflanzen eine große Rolle. In diesen Kontext passten unsere Versuche am Fachgebiet Ökologischer Pflanzenschutz sehr gut. Das erste Versuchsjahr unserer Weizen-Erbsen-Experimente zeigte vor allem, dass der Winterweizen in der Mischung einen höheren Protein- und Glutengehalt hat als in der Weizenmonokultur. Dadurch springt der Weizen in vielen Fällen um mindestens eine Qualitätsstufe nach oben. Während die reinen Weizenerträge in der Mischung geringer waren als in der Monokultur, waren die Gesamterträge von Erbsen und Weizen wiederum höher. Berechnet man den Erlös, der sich aus Qualitätstufe und Ertrag ergibt, sind die Mischkulturen klar im Vorteil. Allerdings ändert sich dies, wenn man die Reinigungskosten berücksichtigt. Je nach Reinigungsaufwand reduziert sich der Mischkulturvorteil beim Erlös oder aber rutscht weit unter die Monokulturen und kann im Extremfall zu negativen Erlösen führen. Wichtige Stellschrauben, die eine Mischkultur ökonomisch machen, sind die Trennbarkeit (aufgrund der Korneigenschaften), der angestrebte Reinheitsgrad (vor allem Lebensmittel versus Futter), die Reinigungsausbeute sowie die Erlöshöhe beider Gemengepartner. Allerdings lassen sich Erbsen und Ackerbohnen durchaus auch zusammen mit Weizen verbacken. Hier findet man einen Leitfaden inklusive Rezepte zum Verbacken von Ackerbohnen und Erbsen. Vielleicht muss man also das Gemenge nicht unbedingt in höchster Reinheit trennen.

Diskutiert wurde z.B. ob man nicht auch eine Gewürz- oder Kräuterkultur – die zu den Leguminosen zählt – wie der Schabzigerklee (Trifolium caerulea), mit Weizen kombinieren könne. Das ist auf jeden Fall eine spannende Idee.

Der Einstieg in die Welt des Gewürz- und Kräuteranbaues durch dieses Seminar hat sich auf jeden Fall gelohnt und hat meinen Horizont stark erweitert.

 

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