Der urbane Gemeinschaftsgarten als Lernort für Kinder und Erwachsene

Foto links: das Gewächshaus im Gemeinschaftsgarten Querbeet. Zu sehen sind vor allem verschiedene Chili- und Tomaten-Sorten.


In dieser Garten-Saison habe ich in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet Vieles gelernt und Neues gesehen. Z.B. habe ich gelernt, wie wichtig ein guter Boden bei der Anzucht von Chilis ist (ein Großteil meiner Chilis ist aufgrund schlechter Erde leider eingegangen), wie wilde Chili-Pflanzen aussehen, wie man Hochbeete repariert, wie die Blüten von Knoblauch aussehen, dass kartoffelblättrige Tomaten andere Blüten haben als normalblättrige Tomaten (was dazu führt, dass kartoffelblättrige Tomaten sich eher verkreuzen als normalblättrige), dass sich aus F2 Hybriden aus dem Supermarkt gute Chili-Pflanzen ziehen lassen und wie Zwergtomaten aussehen.

Vor ein paar Tagen habe ich auch mal anderen Menschen beim Lernen im Garten zugeschaut. Letzten Montag war eine 3. Schulklasse, angeleitet von LehramtsstudentInnen, in unserem Gemeinschaftsgarten Querbeet. Organisiert hatte dies Marius Brauer, seines Zeichens angehender Lehrer und Gemeinschaftsgärtner im Querbeet. Marius hat mich liebenswerterweise eingeladen ihn bei dem Besuch der Kinder in unserem Garten zu unterstützen.

Die Kinder durften zuerst frei im Garten herumstreifen und beobachten. Dabei hatten sie Gelegenheit, allerlei zu entdecken, wie z.B. Tomaten, Chilis, Bohnen, Kürbis, diverse Kräuter, Rhabarber, Gurken und Zwergkaninchen. Dann hatten die Kinder die Gelegenheit, einige von ihnen vorbereitete Fragen an Marius zu richten. Strukturiert waren die Fragen nach den Jahreszeiten Frühling, Sommer, Herbst und Winter. Dabei kamen allerhand interessante und teilweise auch nicht ganz leicht zu beantwortende Fragen von den Kindern: Welches Gemüse und welche Früchte gibt es im Frühling? Was macht man im Garten im Frühling? Wie überstehen die Pflanzen die Kälte im Winter? Welches Gemüse wächst im Winter? Warum verlieren die Bäume die Blätter?

Es gab also eine pädagogische Vorstrukturierung, aber auch ein gewisses Maß an Offenheit für die Neugier der Kinder.

Dabei fiel mir auf, dass einige Fragen relativ schwer beantwortbar waren, weil z.B. das Wachstum der Früchte sich ja manchmal über verschiedene Jahreszeiten verteilt. So reifen Äpfel zwar im Herbst, werden aber im Frühling durch Insektenbestäubung erzeugt und wachsen dann bis zur vollen Reife im Herbst. Auch die Frage nach dem Unterschied zwischen Obst und Gemüse stellte nicht nur eine fachliche, sondern auch eine pädagogische Herausforderung dar.

Foto oben: die Blüte einer kartoffelblättrigen Tomatensorte. Deutlich sichtbar ragt der weibliche Blütenteil (das Stigma) über die gelben Staubblätter hinaus. Dies unterscheidet kartoffelblättrige Tomatensorten von normalblättrigen Sorten und führt zu einer erhöhten Fremdbestäubungs-Rate und damit auch einer erhöhten Verkreuzungs-Wahrscheinlichkeit verschiedener Tomatensorten.


Aus einigen Fragen ergeben sich auch unmittelbar gesellschaftskritische Aspekte, da in unserem Garten im Winter natürlich keine Tomaten wachsen, sehr wohl aber auf der Südhalbkugel der Erde oder aber in Gewächshäusern in Spanien.

Dies sind alles spannende Themen, aber diese adäquat pädagogisch zu vermitteln würde mich derzeit wohl noch vor eine Herausforderung stellen. Deswegen war es sehr interessant den angehenden Lehramtsstudentinnen bei ihrer Lehre zuzuschauen. Allerdings würde ich hier gerne noch mehr lernen: wie weit geht man mit dem Fachwissen in die Tiefe, wie vermittelt man komplizierte Zusammenhänge einfach ohne diese zu verzerren. Ein Schüler nutzte z.B. die Metapher von der Pflanze als Maschine, die aus der Energiequelle Licht Zucker herstellt (Metaphern sind hilfreiche Mittel, um komplexe Sachverhalte zu kommunizieren, haben aber auch ihre Nachteile).

Mir scheint ein Garten wie unser Querbeet hat ein reiches Potential für die Vermittlung von Wissen für die verschiedensten Altersstufen. Dabei kann man ökologische und biologische Phänomene einerseits direkt sinnlich erfahren. Andererseits kann man diese durch fachliche und wissenschaftliche Informationen auch hinterfragen oder unterfüttern.

Aus diesem Erlebnis ist bei mir der Wunsch erwachsen, mehr über die pädagogische Vermittlung von Wissen über Biologie, Ökologie und Gesellschaft im Gartenkontext zu lernen.

Wenn jemand einen Hinweis auf ein entsprechendes Fortbildungsangebot hat, würde ich mich sehr darüber freuen.

Am 2. September haben wir übrigens Tomatentag im Querbeet und man kann eine Menge über die Vielfalt der Tomaten lernen.

Zum Abschluss noch ein paar Fotos, die meine bisherigen Lernerfahrungen in dieser Garten-Saison visualisieren.

 

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