Die Entwicklung von Open Source Karotten in den USA

carrots_of_many_colors Foto links: Bunte Karotten-Vielfalt. Foto-Autor: Stephen Ausmus, Agricultural Research Service. Quelle Wikipedia.

Seit einigen Jahrzehnten gibt es eine Tendenz zur Privatisierung der biologischen Vielfalt, die die Grundlage unserer Ernährung und vieler anderer Lebensbereiche ist. Besonders fortgeschritten ist diese Tendenz in den USA. Hier gibt es ähnlich wie in der EU den sogenannten Sortenschutz, der einerseits die kommerzielle Nutzung durch Züchtungsunternehmen ermöglicht, gleichzeitig aber die Nutzung durch Andere nicht völlig ausschließt. Landwirte dürfen für ihre eigenen Zwecke Saatgut vermehren, die Sorten dürfen außerdem für die Forschung und die weitere Züchtung eingesetzt werden.

In den USA verdrängt aber zunehmend eine Patentierung von Nutzpflanzen, die konventionell, also ohne Gentechnik gezüchtet wurden, den weniger restriktiven Sortenschutz. Diese Patente (sogenannte „utility patents„) gewähren dem Inhaber nicht nur eine exklusive Produktion und Vermarktung der Sorten, sondern beschränken auch das Recht von Landwirten, selbst Saatgut zu vermehren. Außerdem darf ohne eine Lizenzierung nicht an den Sorten geforscht oder deren genetisches Material zur weiteren Züchtung eingesetzt werden. Das Resultat ist eine immer stärkere Kontrolle der kultivierten biologischen Vielfalt und damit unserer Lebensgrundlage durch private Interessen, vor allem großer Unternehmen, die die Pflanzenpatente besitzen.

Die Entwicklung von Open Source Karotten

Einige US-ForscherInnen versuchen diesen Tendenzen entgegenzuwirken, indem sie die biologische Vielfalt von Gemüsesorten als open source Ressource gegen die Privatisierung schützen (Luby und Goldman 2016). Dazu haben sie die noch nicht durch striktes Patentrecht geschützten amerikanischen Karotten-Sorten recherchiert und diese in Züchtungsexperimenten miteinander verkreuzt. Das Ergebnis sind 8 Karotten-Sorten, die unter einer Art open source Lizenz („open source seed initiative pledge“) zugänglich gemacht werden. Jeder Züchter darf diese Sorten verwenden, wenn er allen anderen die gleichen Rechte einräumt. Diese Form der Lizenzierung wird als copy left Prinzip bezeichnet. Dadurch werden die Karotten-Sorten vor strikten Privatisierungsmechanismen, wie dem Patentrecht geschützt. Diese  Karotten-Sorten werden dadurch zu einem geschützten Gemeingut (geschützt vor übertriebener Privatisierung) oder neudeutsch zu einer geschützten open source Ressource.

Die amerikanische open source seed initiative, welche die Verbreitung freier Sorten fördert, findet man natürlich auch im Internet.

Literatur

Luby, C. H., & Goldman, I. L. (2016). Improving Freedom to Operate in Carrot Breeding through the Development of Eight Open Source Composite Populations of Carrot (Daucus carota L. var. sativus). Sustainability8(5), 479.

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